• Ein Jahr danach: Stippvisite bei unserer Gründerin Annabell Hansen

    Vor einem Jahr hat sich Annabell Hansen als Tagesmutter mit einer eigenen Kindertagespflege selbstständig gemacht. Grund genug, einmal vorbeizufahren und nachzufragen, wie es Annabell heute geht und wie ihr Alltag eigentlich so aussieht!

    Zu Besuch in Spaatz bei Annabell Hansen

    Hallo zusammen!

    Mein Name ist Jule, ich bin 27 Jahre alt und absolviere derzeit mein Praxissemester bei Social Impact und der Gründungswerkstatt Enterprise. Da ich selbst schon Mutti bin und mich somit auch für die adäquate Betreuung von Kindern interessiere, war ich von der Idee einer Stippvisite bei Annabell sofort begeistert. Hier folgt nun mein kleiner Erfahrungsbericht von meinem Ausflug in die Gründerinnen-Welt von Annabell Hansen. 

    Wie heißt es so fein: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Da fuhr ich also gegen 6 Uhr los ins beschauliche Spaatz und musste direkt feststellen, dass ich die Entfernung und die manchmal recht unwegsamen Landstraßen unterschätzt hatte. Nach einmal Verfahren (wegen einer Vollsperrung) und heftigen Regengüssen kam ich dann aber doch an und freute mich auf das, was auf mich zukommen sollte. Eine herzliche Annabell öffnete mir die Tür, bat mich herein und bot mir sofort einen warmen Tee an (voll gut). Da wir uns extra etwas zeitiger verabredet hatten, konnten wir vorerst ein paar Minuten für uns nutzen. Zeit, um sich etwas besser kennenzulernen und die Räumlichkeiten für die Kinder in ihren vier Wänden anzuschauen. Ich stellte schnell fest, dass hier jeden Tag ordentlich gespielt und getobt werden musste. Das typische Kinderzimmerdurcheinander war der Beweis dafür. Das große und helle Spielzimmer bildet den Mittelpunkt von Annabells Kindertagespflege. Hier gibt es alles, was das Kinderherz begehrt. Fünf kleine ganz zauberhafte Holzhocker, die rund um einen Tisch platziert sind, zieren genauso das Zimmer, wie eine weich gepolsterte Matten- und Kuschelecke.

    Nachdem wir unseren Tee ausgetrunken hatten, kamen auch schon die ersten Kinder. Die drei musterten mich erst mal einige Minuten kritisch. Dann sind wir aber doch alle sehr schnell warm miteinander geworden und haben direkt angefangen zusammen zu spielen. Nach einer kurzen Abfrage, ob denn Frühstückshunger bestehe, saßen wir gemeinsam am großen Esstisch in der Wohnküche. Im Laufe dessen kam noch das letzte zu betreuende Kind für diesen Tag dazu. Parallel fragte ich Annabell ein paar Dinge, die mich interessierten. Sie erzählte mir, dass sie nach anfänglichen Startschwierigkeiten sehr viele positive Rückmeldungen erhält und sie sehr erfüllt durch die Arbeit mit den Kindern sei.

    „Die Kinder sind glücklich, die Eltern sind glücklich und ich bin glücklich“, sagte Annabell. Auf die Frage hin, ob sie denn gewisse Dinge als Selbstständige vermisse, antwortete sie: „Ich vermisse den Luxus, sich mal krank melden zu können und zu wissen, dass es andere gibt, die die Arbeit weitermachen. Wenn ich mal krank bin, habe ich den Eltern gegenüber ein schlechtes Gewissen.“ Eine Antwort, bei der sicher viele mitfühlen können. Nichtsdestotrotz lohne es sich für sie trotzdem, da es genauso viel Luxus bedeutet, seine eigene Chefin sein zu können.

    Während ich sie fragte, ob sie von ihrem Job leben kann, gab es eine frische Runde Tee für alle. Die Kids aßen genüsslich ihre Frühstücksbrote, naschten vom Obstteller und Annabell erzählte nebenher: „So lang ich keine großen Ansprüche habe, kann ich davon durchaus gut leben. Es ist für mich viel mehr wert, einen erfüllenden Job zu haben, anstatt viel Geld.“

    Wir wurden neben der Fragerei immer gut durch die Kinder unterhalten. Sie waren alle gut drauf und warteten geduldig, bis der Letzte fertig war mit frühstücken. Jetzt ging es rüber ins große Spielzimmer und es wurde getanzt und getobt. Letzten Endes wurde ich so gut integriert, dass ich einmal die Sportlehrerin und einmal eine Yoga-Schülerin spielen dürfte. Ich glaube ich untertreibe nicht, wenn ich sage, dass alle dabei einen riesen Spaß hatten. Ab und an verließen wir die Spielzone, um das freie Spiel untereinander nicht zu stören und natürlich auch, damit ich noch ein bisschen mehr über Annabells Arbeit erfahren konnte. Es ging dabei unter anderem um Dinge, die man laut Annabell beim Gründen lieber tun oder lassen sollte. Sich zum Beispiel an Kleinigkeiten aufzuhalten oder kleinen Herausforderungen nicht standzuhalten, kann durchaus vermieden werden. Aber auch, verbissen etwas erreichen zu wollen, obwohl man merkt, dass etwas nicht stimmig ist, ist unnötig. „Ich denke eine gesunde Mischung aus Ehrgeiz und Gelassenheit zahlen sich bei der Gründung am Ende aus“, so Annabell.

    Etwas später setzte auch schon bei allen ein kleiner Mittagshunger ein. Auf Wunsch der Kinder wurden wir dann mit leckerem Grießbrei versorgt. Da wären wir auch schon beim nächsten Thema. Denn auf meine Frage hin, in welchen Momenten sie als Tagesmutter an ihre Grenzen käme, berichtete sie mir, dass es bisher nicht wirklich zu einem Grenzgefühl kam und sie viel eher noch mehr Energie für weitere Kinder und größere Projekte hätte. Allerdings müsse sie sich an einigen Tagen noch besser in der Küche organisieren, denn die Kinder betreuen und nebenher kochen, sei manchmal gar nicht so leicht. In diesen Momenten wäre eine zweite Person an ihrer Seite sehr hilfreich.

    Natürlich gibt es mit Kindern oft auch witzige Anekdoten zu erzählen, die Annabell gerne mit mir teilte. „Was auf jeden Fall in meiner Erinnerung geblieben ist und sehr süß war, ist ein Tag, an dem ich mal gesagt habe, dass ich sehr müde bin. Da haben mir die Kids eine Decke geholt und gesagt: ‚Dann leg dich doch erst mal ein bisschen hin, wir decken dich zu und sind ganz leise, damit du schlafen kannst‘“, erinnerte sie sich.

    Trotz nassen Wetters ging es für uns nach dem Essen raus in den Garten. Erst wurde vor Ort gespielt, geklettert und getobt. Anschließend ging es mit dem zur Tagespflege gehörenden Hund Balou eine Runde in den Wald spazieren. Dass ein Tier zum Alltag der Kinder gehört, ist auch eine Besonderheit, die man nicht überall antrifft. Es fügt sich für mich hervorragend in das Konzept von Annabell.

    Während unseres Spaziergangs wurden wir tatsächlich doch noch von der Sonne geküsst, aber auch von einer ordentlichen Ladung Regen erwischt. Egal wie, die Bewegung an der frischen Luft tat gut und hat die Kinder erschöpft und hungrig gemacht. Der Weg führte uns also wieder direkt in die heimelige Wohnküche.

    Da kamen wir nun zum spannendsten Teil. Annabell führt nicht nur eine Tagespflege, sondern hat noch viel weitreichendere und ambitioniertere Pläne. „Aufgrund der großen Nachfrage auf meine Plätze sind wir auf die Idee gekommen, einen Kindergarten zu gründen, der dieselben Bedingungen erfüllt, wie aktuell meine Kindertagespflege. Das heißt: kleine altersgemischte Gruppen, individuelle Tagesgestaltung, viel freies Spiel und den tiefen Kontakt zur Natur. Es wird der zweite Wald- und Naturkindergarten im Havelland. Dieser Kindergarten wird in eine freie Schule münden, deren Gründung wir gerade planen. In dieser Schule sollen die Kinder die Möglichkeit bekommen, genauso frei und selbstbestimmt weiter zu lernen, wie sie es im Kindergarten auch dürften. Daher wollen wir auch in der Schule viel Zeit in der Natur verbringen und die Begeisterung für das Lernen in den Kindern aufrechterhalten.“ Welche Rolle sie bei diesem Projekt einmal einnehmen wird, weiß Annabell noch nicht. „Ich könnte mir vorstellen sowohl in der Schule als auch im Kindergarten zu arbeiten. Auf jeden Fall bin ich der Kopf des gesamten Projektes und unseres Vereins „Gesund in die Zukunft e. V.“. Für mich ist es eine Herzensangelegenheit, so vielen Kindern wie möglich ein glückliches, naturverbundenes und gesundes Großwerden zu ermöglichen.“

    Falls ihr noch mehr über Annabell Hansen erfahren wollt, schaut doch mal in unserer Gründergalerie vorbei!

    Viele Grüße,

    Jule und das Enterprise Team

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