• 1999 · Sibylle Tinius

    Landschaftsarchitektin · Brandenurg an der Havel

    Beschreibe bitte dein Unternehmen!

    Wir sind ein kleines Planungsbüro. Aktuell haben wir keine Mitarbeiter. Nach dem Umzug in unser neues Büro hier am Neustädtischen Markt in Brandenburg  haben wir nun aber die Möglichkeiten, jemanden zur Unterstützung einzustellen.

    Was ist das Besondere an deiner Arbeit?

    Ich bin Landschaftsarchitektin mit Leib und Seele. Das ist kein Job, den man von 9-17 Uhr machen kann, sondern es ist etwas, womit man sich auch noch im Urlaub beschäftigt und zum Beispiel Gärten besucht, weil sie besonders schön angelegt sind.

    Meine Arbeitstage sind ganz unterschiedlich und mitunter auch schwer planbar. Ich gehe ins Büro und arbeite an laufenden Projekten. Das können ganz unterschiedliche Projekte sein, wie neue Kindergartenspielplätze, Sportanlagen, Schulhöfe oder auch ein Privatgarten. Manche benötigen auch mal ein Jahr Vorlaufzeit bis sie dann umgesetzt werden. Ich arbeite in allen Leistungsphasen – von der Planung über die Baubetreuung bis zur Fertigstellung. So gibt es Tage im Büro und Tage, an denen ich auf der Baustelle unterwegs bin. Ich betreue, koordiniere und telefoniere…

    Am schönsten ist es jedoch am Ende ein gelungenes Objekt übergeben zu können, an dem sich alle freuen.

    Wer ist der Mensch dahinter?

    Ich war zum Zeitpunkt der Gründung 27 Jahre alt und gerade mit meinem Landschaftsarchitektur-Studium fertig. Mein großer Sohn war zu dem Zeitpunkt 2 Jahre alt, es folgten dann noch zwei weitere Kinder. Ich war schon während des Studiums als freie Mitarbeiterin für verschiedene Planungsbüros tätig, also selbständiges Arbeiten gewohnt. Vielleicht auch ein bisschen deshalb, passte irgendwie alles – mein Mann hat die Kinder übernommen, wenn ich Termine hatte, wir haben uns in vieles reingeteilt. In dem Alter haben wir das geschafft. Mein Mann war damals angestellt in einem Architekturbüro, dass uns in der Anfangsphase sehr unterstützt hat und Rücksicht auf unsere familiäre Situation genommen hat. Erst später hat er sich auch selbstständig gemacht.

    Am Anfang habe ich aus dem Home-Office heraus gearbeitet – später haben wir in gemeinsamen Räumen mit einem Statikbüro gesessen, mit dem wir viele gute gemeinsame Projekte entwickeln konnten.

    Warum bist du damit erfolgreich? Was hat sich im Laufe der Jahre geändert?

    Ich habe Ende 1999 angefangen, genau zum Jahreswechsel. In dieser Zeit nach dem ersten Bauboom in der „Nachwendezeit“ sah der Arbeitsmarkt für Landschaftsarchitekten ganz schrecklich aus. Für junge Mütter war es doppelt schwierig eine Anstellung zu finden. Es war einfacher aus der Not eine Tugend zu machen. Wegen meiner Erfahrungen als freie Mitarbeiterin für andere Architektur- oder Ingenieurbüros, fiel mir der Schritt in die Selbstständigkeit leichter. Sicher gab es in den letzten 20 Jahren auch schwere Jahre für die Baubranche, wie auch für mich. Heute ist es andersherum – der Beruf ist gut nachgefragt, es ist nicht einfach, gute Leute zu finden, wenn man sie einstellen möchte. Und auch für die Bauherren ist es augenblicklich schwierig, ein Büro zu finden, dass noch Zeit hat, sofort ein Projekt zu planen. Es gibt eine große Nachfrage nach unseren Leistungen.

    Dein Bezug zu Brandenburg

    Mein Mann ist geborener Brandenburger und er hat mich überzeugt, dass es nach dem Studium Brandenburg als Arbeits- und Lebensort werden soll. Potsdam war auch im Spiel, meine Heimatstadt Chemnitz war keine Option. Ich habe am Anfang sehr damit gehadert, weil Brandenburg  noch nicht so schön war wie heute, eher grau. Mittlerweile ist Brandenburg wunderschön und ich bin froh, dass wir uns damals so entschieden haben.

    Aus welchem Grund hast du dich damals selbstständig gemacht?

    Es war Ende der 90er Jahre eine Herausforderung, eine Anstellung zu finden. Der erste Aufschwung war vorbei und vielen Planungsbüros ging es nicht so gut. Unser Sohn war noch sehr klein und die wachsende Familie ließ sich besser mit dem freiberuflichen Job vereinbaren. Eine Anstellung hätte viele Einschränkungen unserer Freiheit bedeutet. Ich habe mir die Arbeitszeit selbst einteilen können – konnte nachmittags mit den Kindern spielen und habe dann abends lieber noch weitergearbeitet.

    Die wichtigste Erfahrung als Gründerin?

    Es war eine sehr spannende Zeit; ich habe es auf keinen Fall bereut. Man muss allerdings auch wissen, dass man sich um alles selbst kümmern muss, von der Kranken- und Rentenversicherung bis hin zu Berufshaftpflicht und anderen organisatorischen Dingen, die auf dich einstürmen. Man muss alles selbst regeln und sich selbst organisieren können, weil niemand sagt, was als nächstes zu tun ist. Es war eine ganz wichtige Erfahrung, ich möchte sie nicht missen, sie gibt mir viel Selbstbestätigung. Große Mühe wird belohnt mit Freiheiten, die man als Angestellter nicht hätte

    Was waren die Stolpersteine von der Gründerin zur Unternehmerin?

    Es gibt immer mal wieder kleinere Stolpersteine. Wenn z.B. die Aufträge nicht da sind, aber trotzdem die Büromiete gezahlt werden will. Es gab Zeiten, in denen es finanziell schwierig war. Im Moment läuft es sehr gut – aber dieses Auf und Ab gehört zur Selbstständigkeit dazu.

    Die Auftragslage und das Baugeschehen lassen sich ja kaum beeinflussen – in den ersten Jahren war es auf ganzer Linie schwierig. Ich hatte durch meine vorherigen Jobs zwar schon viele Kontakte und Erfahrungen, aber wenn man als junges, neues Büro auf den Markt kommt, ist die Akquise in den Ämtern und Behörden schon mühsam. Kontinuierlich habe ich jemanden besucht und telefoniert, habe meine Leistungen für kommende Projekte angeboten und Visitenkarten verteilt – es war ein bisschen wie Klinkenputzen. Außerdem ist es mit Ende 20 deutlich schwieriger, als kompetent wahrgenommen zu werden. Ich hatte als junge Frau vielen Vorbehalten entgegenzutreten und zu beweisen, dass ich kann, wovon ich spreche. Es war teils in den Ämtern und auch auf den Baustellen schwierig, ernst genommen zu werden. Dabei hat mir meine Gärtnerausbildung viel geholfen, aber manchmal muss man mit den Kommentaren und komischen Blicken leben.

    Was sind aus deiner Sicht die Vorteile & Nachteile der Selbstständigkeit?

    Ich kann mir meine Zeit einteilen und habe dadurch viele Freiheiten und eine große Flexibilität. Aber: Mein Handy steht auch im Urlaub nicht still; in unserem kleinen Büro gibt es keine Vertretung. Aber das wollen wir jetzt ändern und noch jemanden einstellen. Denn sonst bin ich nie richtig raus, es gab ein Jahr da bin ich selbst im Urlaub an der Ostsee noch zu einer Baubesprechung nach Brandenburg zurückgefahren; manche Sachen kann man nicht schieben.

    Was würdest du beim nächsten Mal anders machen?

    Es ist eigentlich alles optimal gelaufen. Das Einzige: Ich habe, als die Kinder ganz klein waren, von zu Hause gearbeitet. Das würde ich so nicht empfehlen, denn die Trennung von Privatleben und Arbeit ist schon schön. Dann kann der Feierabend auch wirklich Feierabend sein.

    Was empfiehlst du anderen Gründer*innen bzw. Jung-Unternehmer*innen?

    Nicht nachlassen! Immer am Ball bleiben! Und sich auch nicht entmutigen lassen, wenn es mal ein halbes Jahr nicht so läuft. Wenn man eine Idee hat, sollte man dafür leben.

    Es gab eine Zeit lang nur Büro und Familie, und keine Freiräume für mich. Das war sicherlich manchmal schwierig. Heute arbeiten wir im gemeinsamen Büro immer noch viel – es ist mehr als eine 40-Stunden-Woche – aber unsere Erfolge entschädigen uns dafür. Die Arbeit sollte Spaß machen und dich nicht ausbrennen. Im Büro hier mache ich, was ich gern tue und was mich interessiert. Es ist alles stimmig.

     

    Vielen Dank für das Interview, liebe Sibylle!

    Kontakt

    Tinius Architekten PartGmbH

    Architekt + Landschaftsarchitektin

    Neustadtmarkt 8, 14770 Brandenburg an der Havel

    Website: www.tinius.de

    Telefon: +49 (0)3381 79 65 033

     

    Das Interview führte Karina Börner (boerner(at)socialimpact.eu) am 4. April 2019.

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