• 2000 · Silke Alber

    Inhaberin Hundepension · Rhinow

    Was ist das Besondere an deinem Unternehmen?

    Wir versuchen, eine Hundepension zu führen, die nicht den Charakter eines Tierheimes hat. Die Hunde sollen sich hier wohlfühlen – wie zuhause – mit familiärer Umgebung. Wenn die Leute im Urlaub oder im Krankenhaus sind, werden ihre Hunde hier betreut. Wir haben möblierte Zimmer mit Sesseln oder Couches, wir bekochen die Hunde, wir machen die Animation, gehen jeden Tag mit ihnen spazieren und reinigen die Zimmer täglich. Wir versuchen, ein heimisches Flair zu bieten.

    Was ist das Besondere an deiner Arbeit?

    Ich liebe Tiere. Mein Vater sagt, mir sind schon früher die Hunde hinterhergelaufen.

    Das Interessante an unserer Pension ist, dass wir fast nur Berliner Kunden haben. Hier auf dem Dorf passt der Nachbar mal auf die Tiere auf; in den Städten ist es anders. Wir haben ganze Straßenzüge aus Falkensee als Kunden, die Hunde erkennen sich dann hier wieder.

    Warum bist du damit erfolgreich? Was hat sich im Laufe der Jahre geändert?

    Ich mache die Arbeit immer noch gerne, ich habe es nie bereut. Es gab aber auch Zeiten, da habe ich mich gefragt, warum ich das hier tue – jeden Tag arbeiten, kein Wochenende, keine Freizeit, nicht wegfahren. Gerade am Anfang war das sehr schwierig für uns als Familie. Mittlerweile ist es aber so, dass wir 4 Wochen schließen können.

    Aus welchem Grund hast du dich damals selbstständig gemacht?

    Ich habe in einem Tierheim gelernt und am Ende der Ausbildung zur Tierpfleger*in bin ich schwanger geworden. Mein Arbeitsvertrag war befristet und ich war dort überhaupt nicht glücklich mit der Art und Weise, wie die Tiere behandelt und vermittelt wurden. Damit kam ich nicht klar, das hat mich auch emotional sehr mitgenommen. 

    Aufgrund meines Arbeitsverbotes musste ich dann zuhause bleiben, wollte aber weiterhin mit Tieren arbeiten. Da wir hier sehr idyllisch im Wald wohnen, haben wir uns entschieden, hier draußen eine Hundepension zu eröffnen. Und das war eine gute Entscheidung!

    Zum Zeitpunkt der Gründung war 28 Jahre alt und wollte etwas anderes machen. Mein Mann hat seinen Job als Maler aufgegeben und ist hier mit 20 Stunden angestellt – er macht den Hol- und Bringe-Service. Zeitlich war das allein nicht zu schaffen.

    Dein Bezug zu Brandenburg

    Wir lebten schon immer in Rhinow, und wie der Zufall so wollte, sind wir auch hiergeblieben und konnten auf dem ehemaligen Gutshof Wohnen und Arbeiten miteinander verbinden.

    Was ist deine wichtigste Erfahrung als Gründerin?

    Es war zunächst wichtig, viel Werbung zu machen. Von unserem Startgeld haben wir Flyer drucken lassen und diese hauptsächlich in Berlin und bei verschiedenen Tierärzten verteilt. Es war ein schleichender Prozess, bis die ersten Kunden kamen. Wenn ein junger Hund das erste Mal zu uns gebracht wird und seine Halter zufrieden sind, kommen sie in der Regel immer wieder. Vertrauen ist das Wesentliche bei meiner Arbeit. Der Hund verkörpert ein Familienmitglied und so soll er auch behandelt werden.

    Die Zusammenarbeit mit den Ämtern gestaltete sich schwierig, wir bekamen beispielsweise viele Auflagen vom Bauamt, die es einzuhalten gab. Andere Anträge von mir für ergänzende Dienstleistungen, wie beispielsweise ein Hundeauslaufplatz oder ein Tierfriedhof, wurden nicht genehmigt.

    Was waren die Stolpersteine als Gründerin? Welche sind es jetzt?

    Die Präsentation des Businessplans am Anfang vor dem Vergabebeirat und das Klinken-Putzen fielen mir sehr schwer. Ich bin kein Mensch, der gern vor Publikum spricht.

    Und: Wenige Jahre nach der Gründung wurden wir aufgrund unseres Hotelnamens verklagt. Enterprise hat uns stark unterstützt, sowohl durch die Zusprache von Angelika Wickboldt als auch mit der Empfehlung eines Patentanwaltes. Ein Pfötchen-Hotel in Berlin hatte seinen Namen patentrechtlich schützenlassen und war danach der Meinung, dass wir unseren nicht behalten dürfen. Aber zum Glück waren wir unter unserem Namen bereits bekannt, wir durften ihn behalten. Dass jemand kommt und meinen Traum kaputtmacht, hat mich sehr viele Nerven gekostet. Ich wusste gar nicht, wie in einem solchen Fall reagieren soll.

    Aktuell kämpfen mit der Herausforderung, Personal zu finden. Wir haben lange Zeit zum/zur Tierpfleger*in ausgebildet - heute bewirbt niemand mehr. Jetzt haben wir mal wieder eine Auszubildende - sie ist etwas älter, hat Abitur und möchte gern arbeiten. Auf sie kann ich mich verlassen. Ich würde gern zwei Leute anstellen, aber das kann ich mir nicht leisten.

    Wichtig ist außerdem, sich rechtlich abzusichern. Du musst ganz genau klären, wer der Halter und wer im Notfall Ansprechpartner ist. Ich wusste vorher nicht, wie viel Bürokratie dahintersteht, wenn ein Halter verstirbt und nicht geklärt ist, wer sich danach um das Tier kümmert. Jetzt lasse ich mir alles unterschreiben.

    Was sind für Dich die Vorteile & Nachteile der Selbstständigkeit?

    Wir können von zuhause arbeiten – unsere Arbeit liegt quasi vor der Haustür. Und wir teilen uns die Zeit selbst ein, arbeiten aber dann auch mal abends. Ich war immer zuhause und ansprechbar, wenn die Kinder von der Schule kamen.

    Der Nachteil ist, dass wir sieben Tage in der Woche durcharbeiten und im Sommer nie Urlaub nehmen können. Wenn man mit Tieren arbeitet, arbeitet man rund um die Uhr. Wir ziehen sechs bis acht Wochen durch, ohne ein Wochenende zu haben. Darunter litten natürlich die Kinder, denn sie wären gern im Sommer an die Ostsee gefahren.

    Außerdem ist es auch ein gefährlicher Beruf – Wir alle wurden schon von den Hunden gebissen.

    Was würdest du beim nächsten Mal anders machen?

    Wenn ich nochmal 28 Jahre alt wäre, würde ich größer denken. Ich würde das ganze Grundstück kaufen und das Hotel vergrößern. Damals war nicht abzusehen, wie es läuft und dass wir Leute wegschicken müssen, weil die Kapazität insbesondere in den Sommerferien nicht ausreicht. Daher müssen wir sehr genau planen.

    Heute würde ich mich nicht anders entscheiden. Ich bin jetzt so lange selbstständig, dass ich gar nicht mehr weiß, ob ich überhaupt angestellt arbeiten könnte. Ich habe nie darüber nachgedacht, weil wir immer neue Leute kennenlernen. Es haben sich in den Jahren viele Freundschaften entwickelt. Früher hatten wir auch noch eine Katzenpension und haben auch Kleintiere betreut, die wir dann aber an eine Freundin weitergeben haben, die sich auch selbstständig machen wollte. Man muss sich konzentrieren, man kann nur eine Sache richtig machen. Wir arbeiten aber miteinander und vermitteln uns gegenseitig die Kunden.

    Was empfiehlst du anderen Gründer*innen bzw. Jung-Unternehmer*innen?

    Ganz wichtig: hartnäckig bleiben! Dran bleiben! Es werden einem immer wieder Steine in den Weg gelegt. Manchmal muss man die Sache aussitzen. Verwirkliche deinen Traum, bleibe dran und gib nicht auf! Schaffe dir einen Ausgleich, denn wenn du dein Hobby zum Beruf machst, kann es sein, dass es lästig wird. Und man sollte mit dem Partner Hand in Hand arbeiten, ohne gegenseitiges Verständnis des Partners und der Familie läuft nichts. Möglichst viele Kontakte knüpfen – auch das hilft in der Gründung sehr.

    Vielen Dank Silke für das interessante Interview!

    KONTAKT

    Silke Alber

    Vier Pfötchen Hotel

    Glewe 3 | 14728 Rhinow

    Telefon: 033875 31009

    Website: www.vier-pfoetchen-hotel.de

     

    Das Interview führte Karina Börner (boerner(at)socialimpact.eu) am 02.05.2019.

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