• 2001 · Thekla Janke

    Keramikerin · Brandenburg an der Havel

    Was inspiriert dich?

    Ich liebe das Material, den Geruch, die besondere Beschaffenheit. Ich sag mir „Nimm den Ton in die Hand und mache einfach etwas draus.“ Und wenn es anders wird, als du gedacht hast, mach trotzdem was Schönes. Steh dazu, was draus wird.

    Am Ton hat mich schon immer gereizt, dass man so unterschiedliche Sachen machen kann – was ganz Genaues wie ein gedrehtes Gefäß oder ganz frei bis an den Rand der Möglichkeiten. Mich reizen die Oberflächen, das Material selbst, die Verwandlung im gebrannten Zustand. Der Ton hat Tücken, Schwierigkeiten, Möglichkeiten – ich sammle ständig neue Erfahrungen im Umgang mit ihm.

    Aus welchem Grund hast du dich damals selbstständig gemacht?

    Ich hatte Sozialpädagogik auf Diplom studiert und war danach fast ein Jahr in den USA. Als ich dann wiederkam, hieß es anfangen. Aber ich habe schnell gemerkt, dass Pädagogik pur für mich nicht in Frage kam. Ich wollte etwas Handfestes, Praktisches tun. Meine Leidenschaft für Ton und Keramik gab es schon lange, ich habe es als Kind schon durch meine Eltern mitbekommen. Meine Mutter modellierte schon zu DDR-Zeiten, hat damit aber nie ihren Haupterwerb bestritten. Und dann hatte jemand im Jahr 2001 im Ort eine Keramikwerkstatt aufgemacht – in dieser Werkstatt habe ich gesehen, dass ich das auch machen möchte. Es hat mich total gereizt. Als der Besitzer der Werkstatt dann „weiterziehen“ wollte, hat er mir angeboten, den Laden zu übernehmen. Dazu musste ich aber drehen können [zum Herstellen von Gebrauchskeramik]; das habe ich mir autodidaktisch beigebracht und nebenbei noch einige Praktika gemacht, um ausreichend Erfahrung zu haben.

    Und dann kam dieser glückliche Baustein mit Enterprise – ohne Enterprise wäre die Übernahme der Werkstatt nicht möglich gewesen. Ich hab mich darüber eingestimmt auf die Selbstständigkeit und viel Grundlegendes gelernt; das Konzept von damals habe ich immer mal wieder aus der Schublade geholt. Und viele Ideen wurden tatsächlich in den Jahren auch umgesetzt. Ich war sehr breit aufgestellt – ich bin mit meinen Aufträgen gewachsen und habe mich weiterentwickelt. Und dann führte es mich immer weiter. Weitere wichtige Bausteine waren das Kennenlernen von Menschen, von denen ich lernen durfte – das Drehen von Keramik und später auch das freie Arbeiten und Modellieren. Sie haben mir als eine Art Lehrer neue Sichtwesen und Rüstzeug mit auf den Weg gegeben.

    Was macht dich als Selbstständige aus?

    Ich habe zwei Standbeine – neben dem Herstellen der Keramik in meiner Werkstatt war ich immer auch draußen. Die Werkstatt hat allein nie gereicht; ich bin nach draußen gegangen – arbeitete in der Landesklinik mit Menschen in der Therapie, im Strafvollzug mit männlichen Häftlingen als Freizeitangebot, in verschiedenen Projekten für Schulen. Das waren alles tolle Erfahrungen. Viele Kinderkurse im Kindergarten und in den Schulen konnte ich über verschiedene Fördermittel und Förderungen machen. Man muss sehr wendig sein, um zu schauen, wie man Geld damit verdienen kann. Ich war 27 Jahre alt, als ich gegründet habe und bin in den Jahren mitgewachsen.

    Nach 11,5 Jahren habe ich die Werkstatt am Dom dann hinter mir gelassen und zuhause ein Atelier eingerichtet. Damit begannen viele Veränderungen, ich habe zugelassen, dass sich die Dinge verändern. Das hat viele Kosten eingespart und entsprach meinem Wunsch, die Arbeitszeiten anders zu machen. So konnte ich meine Familie und die Arbeit besser vereinbaren, da ich in der Zwischenzeit zwei Kinder bekommen habe. Nebenbei habe ich auch ein Studium als Kunsttherapeutin absolviert, was mit sehr in der Arbeit hilft. Heute verbinde ich das Theoretische aus dem Studium mit meinem Handwerk, was wirklich toll ist.

    Das Modellieren ist nun erst einmal zum Nebenerwerb geworden, weil ich seit 2 Jahren als Lehrerin an einer Förderschule für geistige Entwicklung arbeite. Ich habe schon immer gern mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet und dort kann ich den Schüler in der Keramik- und Holzwerkstatt den Zugang zum Material ermöglichen. Zunächst war ich dort als Vertretung tätig und nach einer Weiterbildung für Quereinsteiger bin ich nun entfristet angestellt. An meinem einen freien Tag in der Woche kann ich dann an meiner Keramik arbeiten; ich setze besondere Aufträge um, die „auf mich zukommen“. Die Leute sprechen mich an, ob ich ihnen ihre vagen Ideen in Ton umsetzen kann – sei es als Plastik für den Garten, als Medaillons für eine Kirchenpforte oder als Skulptur. Die Dinge kommen auf mich zu, alles wächst organisch. Es passt gut in meine jetzige Lebensphase, dass ich im Moment ein festes Einkommen und einen festen Ort habe, aber ich brenne weiter für die Keramik. Und darüber hinaus schaffe ich mir einen Freiraum, mich künstlerisch und kreativ weiterzuentwickeln, mich auszuprobieren.

    Der Mensch dahinter

    Ich hatte viel Rückhalt in der Familie; mein Mann hat mich immer unterstützt, auch in den Veränderungsprozessen. Es ist ein eigener Wert, einen Partner an der Seite zu haben, der immer mitgeht und offen ist – für Veränderungen und für das, was gut für mich ist.

    Dein Bezug zu Brandenburg a.d.H.

    Ich bin in Brandenburg geboren, in Falkensee zur Schule gegangen, hab in Berlin studiert und bin schließlich nach Brandenburg zurückgekehrt. Hier wohnen wir jetzt in einem Mehrgenerationenhaus am Stadtrand, meine Schwester [die sich übrigens auch mit Unterstützung von Enterprise als Dolmetscherin selbstständig gemacht hat,] wohnt nebenan.

    Die wichtigste Erfahrung als Gründerin?

    Es war die Erfahrung mit der Kommission, die Präsentation vor dem Vergabebeirat. Ich musste mich sozusagen verteidigen und präsentieren, ob ich mit meiner Geschäftsidee es wert bin, gefördert zu werden. Trotz aller Fragezeichen, trotz des Finanzplans, den gerade die Expertin von der Bank stark angezweifelt hat. Es war sehr wichtig für mich, mich dort zu präsentieren, einzustehen für meinen Traum. So eine Situation wiederholt sich ja ständig; vor jeden Kunden muss ich vertreten, dass mein Produkt es wert ist, dafür Geld zu bezahlen. Dass ich eine Idee habe und es mit ihnen umsetzen kann, dass ich sie begleiten kann und das Wissen habe, was am Ende zum Kunden passt.

    Gab es Stolpersteine für dich als Unternehmerin?

    Jede Menge. Das Leben steckt voller Herausforderungen. Nicht nur mein Material, der Ton steckt voller Überraschungen und Herausforderungen. Da sind auch die finanziellen Schwankungen, bei uns Kreativen ist nichts kontinuierlich. Ich musste mir oft sagen, dass meine Sachen gut sind, aber es eben nicht genug Käufer findet, dass es nicht an mir liegt.

    Aber: Man hört nicht auf zu lernen. Und: Stolpersteine sind dazu da, weiterzumachen, es neu auszuprobieren. Das ist nicht dramatisch. Ich war immer offen für das, was kommen wird. Und freue mich auch auf das, was das Leben mir noch in den Weg stellt.

    Was sind für Dich die Vorteile & Nachteile der Selbstständigkeit?

    Es ermöglicht mir das freie Arbeiten und ohnehin gibt es keine Anstellungsmöglichkeit als Keramikerin. Ich habe mich oft gefragt, z.B., wenn ich auf den Märkten stand: Und wovon leben die jetzt eigentlich? Ich brauche, wie so viele andere Kreative, das zweite Standbein. Die sichere Anstellung erlaubt mir, meiner Leidenschaft mit Ruhe nachzugehen, trotz aller Schwankungen im Verkauf.

    Würdest du beim nächsten Mal etwas anders machen?

    Vielleicht. Ich weiß es aber nicht; in den Zeiten, als ich nach meinem Weg gesucht habe, habe ich öfter überlegt: was würdest du eigentlich tun, wenn du ganz neu anfangen könntest? Ich hatte mal die Idee, Journalistin zu werden; das wäre eine spannende Option gewesen. Aber ich bin froh, meiner Leidenschaft nachgegangen zu sein.

    Ich habe nie bereut, mich selbstständig gemacht zu haben. Ich habe so viele Erfahrungen und Rüstzeug gesammelt, die mir auch heute in der Arbeit weiterhelfen. Ich möchte das alles nicht missen.

    Was empfiehlst du anderen Gründer*innen bzw. Jung-Unternehmer*innen?

    Rangehen und Losgehen! Auch das Ringen, die Unsicherheit, das Scheitern einer Idee sind so wichtige Erfahrungen, weil man so auch gut mit allen anderen Veränderungen umgehen kann. Nicht alles muss gleichbleiben, alles darf sich verändern.

    Vielen Dank Thekla für das interessante Interview!

    KONTAKT

    Thekla Janke

    Ceramica Brandenburg

    Libellenweg 4 | 14776 Brandenburg an der Havel

    Telefon:  03381 878220

    Website: www.ceramica-am-dom.de

     

    Das Interview führte Karina Börner (boerner(at)socialimpact.eu) am 02.05.2019.

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