• 2002 · René Kausmann

    Bäckermeister · Radewege

    Beschreibe bitte dein Unternehmen!

    „Klein. Fein. Klassisch.“ In unserer kleinen Landbäckerei machen wir alles selbst, alle Teige werden selbst hergestellt und verarbeitet. Und: Wir sind uns treu geblieben. Es kommt bei den Kunden an – sie schätzen unsere Backwaren. Jemand hat hier schon angefangen zu weinen, weil es genauso geschmeckt hat wie in seiner Kindheit. Und die Kunden kommen wieder; das macht Spaß.

    Wir haben leider keine Lehrlinge oder Angestellten mehr, nur meine Frau unterstützt als Verkäuferin das Unternehmen. Seit über 10 Jahren habe ich keine Bewerbung mehr für einen Lehrling bekommen; da wir uns auch hier so klein aufgestellt haben, wäre eine ordentliche Betreuung sehr schwierig. Ein Lehrling kostet erst einmal sehr viel Zeit und viel Energie. Das können wir im Moment nicht leisten.

    Was ist das Besondere an deiner Arbeit?

    Ich backe so, wie ich es für richtig halte. Deshalb habe ich selbstständig gemacht – um die Produkte so zu machen, wie ich es möchte. Meine Frau und ich waren vorher beide angestellt, wir mussten Sachen backen und verkaufen, die nicht die Qualität hatten, wie wir es wollten. Und das Schöne jetzt ist, wir finden Kunden dafür, die das mögen und auch so wollen. Das ist doch ein Zeichen, dass wir den richtigen Weg gehen.

    Der Mensch dahinter

    1989 habe ich die Gesellenprüfung gemacht; und dann auch die Meisterprüfung. Ich bin Bäcker und mache aber auch Kuchen und Torten; wirklich reich wird man damit aber leider nicht. Es gibt Momente, da bereue ich die Entscheidung für den Bäcker; aber ich lebe auch für diesen Beruf – es ist meine Leidenschaft. Es macht glücklich.

    Wir wagten die Gründung unserer Firma mit unserer zweijährigen Tochter. Es blieb nicht nur bei der einen Tochter, sondern es kamen noch drei Sonnenscheine dazu. Und wir bereuen es nicht, uns so entschieden zu haben.

    Die Kinder sind in der Backstube und hinter dem Tresen groß geworden. Mich stören die vielen Arbeitsstunden nicht, weil ich Leben und Arbeit hier zusammen habe. Es sind umgerechnet etwa 70 oder 80 Stunden die Woche; nach dem Backen ab 3 Uhr morgens ist ja der Laden dann bis 18 Uhr offen. Und der letzte Sauerteig wird abends um 21 Uhr gemacht. Aber ich kann da sein für meine Kinder, ich sehe meine Kinder aufwachsen.

    Warum bist du damit erfolgreich? Was hat sich im Laufe der Jahre geändert?

    Eine besondere Herausforderung in den letzten Jahren war sicher die schnelle Entscheidung für den Umzug nach Radewege – wir mussten relativ schnell schließen und raus aus der alten Bäckerei; mussten hier umbauen und wussten dann nicht, wie viele Kunden mitkommen. Das war schon ein Risiko. Auch die Zusammenarbeit mit den Behörden war nicht einfach, um hier alle Voraussetzungen beim Umbau zu erfüllen. Und auch die Banken wollten uns kein Geld geben.

    Dein Bezug zu Brandenburg

    Die Backstube in Marzahne kannte ich schon aus Kindheitstagen und meine Eltern haben dort immer ihr Brot gekauft. Dieses Brot hat mich geprägt. Als es dann hieß, der Altmeister sucht einen Nachfolger, habe ich zugegriffen. Unser Anfang war die Übernahme einer Bäckerei in Marzahne, deshalb auch der Name Landbäckerei Marzahne. Nach dem Umzug nach Radewege haben wir den Namen aber behalten.

    Geboren wurde ich in Brandenburg a.d.H. und meine Mutter ist in Radewege aufgewachsen – wir sind also weder neu hier noch zugezogen und hatten daher gleich einen guten Rückhalt im Dorf. Wir wurden sehr gut aufgenommen.

    Aus welchem Grund hast du dich damals selbstständig gemacht?

    Wir hatten von der Backstube gehört, dass sie verpachtet werden soll. Seitdem kann ich hier backen, so wie wir es mögen – ganz klassisch, traditionell nach dem 3-Stufen-System und nach alten Rezepten. Ohne Schnickschnack und ohne Zusatzstoffe und ohne Backtriebstoffe. Mit Zeit und Ruhe. Wir haben ein ehrliches Produkt, das ist unser Ding.

    Die wichtigste Erfahrung als Gründer?

    Wir haben klein gegründet, und wir haben jung gegründet. Man geht manche Dinge dann einfach an, ohne an das Risiko zu denken. Hinterher dachte ich: oh Gott, bin ich verrückt. Wie blauäugig ich früher war, aber auch wie viel risikobereiter. Man wächst mit seinen Aufgaben. Wir haben vieles bewältigt und haben uns auch persönlich weiterentwickelt.

    Für die glücklichen Kunden lohnt es sich jeden Tag weiter zu machen.

    Was waren die Stolpersteine als Gründer? Welche sind es jetzt?

    Die Zusammenarbeit mit den Banken war für uns sehr schwierig – die Vorgaben konnten wir nicht erfüllen, da wir meist nur sehr kleine Investitionssummen brauchten. Zunächst hatten wir etwas Geld aus dem Vergabefonds der Gründungswerkstatt, für den Umzug brauchten wir dann nochmal eine kleinere Finanzierung. Immer wieder gibt es Dinge, die wir neu kaufen müssen, wie z.B. unseren neuen Backofen.

    Auch geldmäßig war es manchmal eng, gerade wenn wir mal wieder etwas investieren wollen. Für uns ist ein Problem, dass die Rohstoffpreise zwar stetig steigen, aber die Preise fürs Produkt ziehen nicht mit. Und die hohen Lohnnebenkosten, die es uns als kleiner Bäckerei nicht erlauben, einen Angestellten zu finanzieren.

    Was sind deiner Meinung nach die Vorteile der Selbstständigkeit?

    Man lernt viele Menschen kennen. Und ich kann auf die Wünsche und Bedürfnisse meiner Kunden eingehen – z.B. gab es mal ein kleines Mädchen mit Laktose-Allergie, für die ich extra Pfannkuchen ohne Milch gebacken habe. Die war so glücklich.

    Es geht bei meinen Backwaren nicht nur um Äußerlichkeit, sondern um den Geschmack. Wichtig sind mir die Nuancen, die genauso unterschiedlich sind wie die Geschmäcker der Menschen. Das kann ich nur in meiner eigenen Bäckerei umsetzen.

    Was würdest du beim nächsten Mal anders machen?

    Nichts.

    Was empfiehlst du anderen Gründer*innen bzw. Jung-Unternehmer*innen?

    Sei mutig und verwirkliche deine Ideen! Tue es! Auch wenn man nicht immer reich wird, so wird man doch glücklich. Es gibt einen Spruch: „Hände-Arbeit macht nicht reich“, hat mir schon immer mein Vater gesagt, als ich ihm erzählte, dass ich Bäcker werden will.  Aber: Ich habe das Glück, Leute satt zu machen – das ist mehr wert als viel Geld.

    Vielen Dank René, wir wünsche euch weiterhin viel Erfolg mit euer Backstube!

    KONTAKT

    Landbäckerei Marzahne

    Dorfstr. 37f | 14778 Radewege

    Zur Info ein Artikel aus 2016: https://www.maz-online.de/Lokales/Brandenburg-Havel/In-der-Freizeit-auf-den-Beetzsee

     

    Das Interview führte Karina Börner (boerner(at)socialimpact.eu) am 09.04.2019.

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