• 2008 · Nadine Jürgen & Gitte Johannsen

    Konzeptionerin & Grafikdesignerin · Wittstock

    Liebe Nadine, bitte beschreibe euer Unternehmen. Was macht euch aus?

    Wir sind die Kreativagentur „perlenmädchen“ – so haben wir es seit unserem 10. Geburtstag genannt. Als wir 2008 gegründet haben, haben wir noch damit geworben, dass wir eine Werbeagentur sind, einfach um den Leuten hier unsere Arbeit verständlicher zu machen. Weil das, was wir machen, ist hier immer noch komplett neu; es gibt keine Konkurrenz. Wir machen das, was vor der Produktion der Werbemittel kommt, wir arbeiten kreativ. Wir entwickeln Ideen, Konzepte, Strategien; wir gehen gern unkonventionelle Wege und sind spezialisiert auf kreatives Marketing, auf Guerilla Marketing, insbesondere im ländlichen Raum und insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen ohne großes Marketing-Budget. Ich habe den Namen Werbeagentur nie gemocht, habe ihn auch nie benutzt, sondern dann eher von Kommunikationsagentur gesprochen. Aber das klingt nach steifem Büro.

    Unsere Arbeit ist so divers – wir entwickeln Messekonzepte, erstellen auch klassische Werbemittel, machen Websites, überlegen uns Give-Aways für Veranstaltungen. Die Kunden kommen zu uns, wenn sie eine gute Idee brauchen, egal in welchem Bereich.

    Die Perle im Namen steht für Einzigartigkeit; wir holen kein Konzept und keine Idee aus der Schublade, es ist immer passgenau für jede Situation und für jeden Kunden. Die Werbung, die wir machen, egal ob als Flyer, Website, Auto-Beklebung, Banner oder Logo, soll ein Schmuck für das Unternehmen sein. Sie sollen stolz sein, auf das, was sie nach außen zeigen.

    Was ist das Besondere an deiner Arbeit?

    Wir geben ganz viel Herzblut, das eigene Denken und Wissen, unsere Werte und Überzeugungen, die Identität und Persönlichkeit in die eigene Kommunikation und in unsere Ideenentwicklung – das ist mir ganz wichtig und das sag ich auch immer unseren Kunden. So können sich Unternehmer entscheiden, ob sie uns als Agentur cool finden oder eben auch nicht. Werbung hat ganz viel mit Vertrauen zu tun – man muss sich in die Augen schauen und auch Dinge sagen können, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Nur wenn ich weiß, wo beim Kunden der Schuh drückt und warum er jetzt eine Aktion benötigt, kann ich eine gute passende Strategie entwickeln.

    Der Mensch dahinter

    Ich wusste schon immer, dass ich gut reden kann, ich möchte was mit Menschen zu tun haben, ich bin ein kreativer Mensch und ich mache gern ganz unterschiedliche Sachen. Ich finde es toll, Menschen zu berühren und das motiviert mich jeden Tag. Ich lebe das und lebe mit der Agentur meinen Traum.

    Studiert habe ich Marketingkommunikation und habe dann noch ein Fernstudium zur Konzeptionerin und Werbetexterin angeschlossen, weil mir hier ein bisschen Know-How noch gefehlt hat. Das zweite Perlenmädchen Gitte ist Grafikdesignerin. Wir waren beide 24 Jahre alt bei der Gründung.

    Warum bist du damit erfolgreich? Was hat sich im Laufe der Jahre geändert?

    Am Anfang haben wir versucht, ganz viel Werbung zu machen, aber natürlich keine klassische. Wir waren immer in der Öffentlichkeit präsent; zu jedem Perlen-Geburtstag haben wir uns eine verrückte Aktion einfallen lassen und haben diese medial mit Foto und Video begleitet. So haben wir uns nach und nach eine Riesen-Bekanntheit hier in der Region aufgebaut. Momentan ist es so, dass wir gar nicht mehr viel Werbung machen müssen; trotzdem starten wir zu jedem Agentur-Geburtstag eine Guerilla Aktion und unsere Kunden bekommen zum Geburtstag und zu Weihnachten etwas Nettes geschickt, immer mit einem Überraschungseffekt. Und wir nehmen jede Gelegenheit wahr, uns in der Öffentlichkeit zu präsentieren, gehen auch mal zu Netzwerktreffen und engagieren uns für die Region.

    Dein Bezug zu Brandenburg

    Ich bin keine Großstadtpflanze – während des Studiums in Berlin war alles hektisch und nervig, obwohl ich mich da gut weiterentwickeln konnte. Ich will Rasen unter meinen Füßen haben und einen See vor der Tür. Außerdem brauche ich meine Tiere um mich herum. Und das habe ich alles hier – ich arbeite oft im Sommer in unserem kleinen Häuschen am See.

    Außerdem hat mir auf dem Land ganz andere Potentiale für Werbung – auch mit ganz wenig Budget lässt sich ganz viel erreichen. Die Presse ist sehr viel offener und interessiert an spannenden Meldungen. Die Leute reden gern und Gerüchte und Klatsch verbreitet sich wunderbar schnell. Wittstock ist meine Heimat und ich will gern in der Region etwas bewegen.

    Aus welchem Grund hast du dich damals selbstständig gemacht?

    Ich war mit dem Studium in Berlin fertig und bin dann so von Praktikum zu Praktikum gehüpft, um eine Anstellung zu finden. Ich komme aus einer Familie der Selbstständigen und als ich im Jobcenter den Flyer von Enterprise gesehen habe, hat das gerade super gepasst. Von mir kam der Anstoß zur Gründung; ich habe einen ziemlichen Dickkopf und weiß, was ich kann und wie ich es machen will. Und ich kann mich ganz schlecht unterordnen und zurücknehmen, wenn ich sehe, dass etwas nicht so optimal läuft. Mir blieb also gar keine andere Möglichkeit, als mich selbstständig zu machen, weil man kann ja schlecht als Berufsanfänger gleich als Führungskraft im Unternehmen anfangen. Und dann bin ich auf Gitte zugegangen, weil ich bin zwar Texterin, aber keine Grafikerin. Zusammen haben wir eine Agentur gegründet, um alles zu verändern und die Leute hier auf dem Land mit kreativen Ideen zu unterstützen.

    Unser Weg wurde am Anfang sehr geprägt durch Enterprise – wir haben so viel Unterstützung erhalten und so viel Handwerkszeug bekommen, gerade so in Buchhaltung. Dieses Wissen hilft uns bis heute.

    Die wichtigste Erfahrung als Gründerin?

    Wir haben gleich am Anfang einen ganz großen Auftrag bekommen und sollten eine 30-seitige Broschüre für eine regionale Wohnungsverwaltung erstellen. Dabei war das schwierigste, unsere Leistung in Preise umzusetzen – wieviel ist das wert, was ich da mache? Gerade bei einem so großen Auftrag – wir sollten ein Konzept erstellen, die Bilder machen, Texte schreiben, die Druckvorlage erstellen – haben wir eine Preiskalkulation gemacht, die mir wahnsinnig hoch erschien. Aber dann hat der Geschäftsführer zu mir gesagt, Nadine schreib mal auf deinen Kostenvoranschlag noch 4.000€ dazu, das ist so zu wenig. Sie wollten uns unterstützten und das war eine total tolle Erfahrung. Dadurch bin ich sehr selbstbewusst bei späteren Preisverhandlungen geworden. Wir wissen, dass unsere Leistung es wert ist, und lehnen mittlerweile auch Aufträge ab, die nicht zu uns passen oder bei denen die Vorgaben zu eng sind. Wir sind keine Äffchen und denken gern selbst.

    Was waren die Stolpersteine als Gründerin? Welche sind es jetzt?

    Richtig zurückgeworfen hat uns nichts, denn wir entwickeln uns ständig weiter. Ständige Bewegung ist uns sehr wichtig; die Welt dreht sich weiter und wenn man sich selbst nicht bewegt, verpasst man den Anschluss. Dass wir zu zweit gegründet haben, war super, denn wenn man alles allein schaffen will, dann ist das sehr schwierig. Gitte hat mir oft den Rücken freigehalten, sodass ich mich umschauen konnte, in welche Richtung wir uns weiterentwickeln können.

    Am Anfang hießen wir ja Pearl Communication, also ein englischer Name, weil wir kamen beide aus der Großstadt und wollten hoch hinaus. Als wir dann hier aber angefangen haben, haben wir schnell gemerkt, dass sich keiner traut, uns anzurufen, weil sie den Namen nicht aussprechen konnten. Pearl Communication klingt nach so viel Distanz. Aber unsere Kunden haben uns dann später unseren Namen gegeben, weil sie immer gesagt haben – oh, da kommen die Perlenmädchen. Heute sind wir die Agentur „Perlenmädchen“, und seitdem gab es einen großen Schwung nach vorn.

    Ich hatte und habe keine Probleme, ernst genommen zu werden. Die Unternehmerwelt ist immer noch von Männern dominiert, und wenn eine Frau den Raum betritt, fällt das schon auf und sie hat die volle Aufmerksamkeit. Ich nutze das für mich aus, denn ich werde gehört und wahrgenommen. Man/frau darf sich nicht zum Mann machen lassen und mir ist wichtig, Empathie und Emotionalität als unternehmerische Stärke zu sehen.

    Was sind für dich die Vorteile & Nachteile der Selbstständigkeit?

    Vorteil ist für mich, dass ich mir meine Arbeit frei einteilen kann; ich kann auch einfach in den Urlaub fahren, wenn ich denke, ich brauche das jetzt. Und ich kann zeitlich und räumlich flexibel arbeiten – vormittags, nachmittags, nachts, am See oder in der Badewanne. Ich muss nicht im Büro sein.

    In den 11 Jahren, die wir aktiv als Unternehmerinnen sind, waren wir nie in den roten Zahlen – auch wenn es manchmal knapp war, hat sich immer wieder etwas Neues ergeben. Und je länger du am Markt bist, desto mehr entwickelt sich ein Gefühl dafür und desto sicherer wird man. Gerade auf dem Land ist es essentiell, sich ein Netzwerk aufzubauen. Sucht euch Leute, die so ticken wir ihr und mit denen ihr zusammenarbeitet; reicht euch die Hände. Keiner kann alles allein. Wir haben z.B. einen super Kooperationspartner, die EDV-Plan GmbH aus Neuruppin, mit denen wir zusammen Apps oder Websites entwickeln. Aus dem Netzwerk bekommen wir auch Aufträge und neue Projekte, die zu dem anderen nicht passen.

    So haben wir mehr als genug Arbeit; auch wenn es sich nicht immer gut vorausplanen lässt. Für mich überwiegen ganz klar die Vorteile der Selbstständigkeit – ich kann mir aussuchen, an welchen Projekte ich arbeite und mit wem ich arbeite.

    Was würdest du beim nächsten Mal anders machen?

    Nein, ich würde nichts anders machen. Denn alle Entscheidungen haben mich genau da hingebracht, wo ich jetzt stehe. Es gibt nichts, was ich bereue. Man kann ständig neue Wege gehen; keine Entscheidung ist in Stein gemeißelt. Und es gibt keine falschen Entscheidungen, denn sie sind ja situationsbedingt und passen schon genau zum Moment.

    Was empfiehlst du anderen Gründer*innen bzw. Jung-Unternehmer*innen?

    NEIN sagen lernen! Man darf seinen roten Faden und seinen Plan, sein Ziel nicht verlieren. Und alle Dinge, die einem von diesem Weg abbringen, macht man nicht und lehnt man ab. Sonst verzettelt man sich und hat nicht genug Kraft und Energie für die wirklichen richtigen Kunden.

    Höre nie auf, nach deiner Berufung zu suchen und danach, was dich glücklich macht. Weil das ist der Garant für Erfolg! Wenn man sein Unternehmen mit Herzblut und Leidenschaft führt, merken das die anderen Menschen. Und wir verbringen so viel Zeit mit Arbeit, das es umso schöner ist, wenn es sich nicht wie Arbeit anfühlt.

    Kontakt

    perlenmädchen – die kreativagentur

    tel. +49 3394 405829
    fax +49 3394 403308

    info@perlen-agentur.de
    www.perlen-agentur.de

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