• 2011 · Hanna Kuster

    Agentin für Showproduktionen · Potsdam

    Beschreibe bitte dein Unternehmen.

    Der Unternehmensname ist Programm: Ich bin vorrangig eine Interessensvertretung oder Booking-Agentin von Show-Produktionen und erstelle im Auftrag renommierter Firmen Show-Konzepte für Gala- und Firmenevents.

    Mein Firmensitz ist in Potsdam, von dort aus wirke und schaffe ich zu 98 Prozent in Deutschland, der Schweiz, Österreich und auch europaweit. Aber es gibt auch Veranstaltungen und Showkonzepte, die ich hier in Potsdam umsetze z. B. im Nikolaisaal. Bei meiner letzten Veranstaltung vor Ort übernahm ich die Programmgestaltung der Preisverleihung des Deutschen Kinoprogrammpreis im Waschhaus. Mein Hauptgeschäftsfeld bleibt jedoch die Vermittlung von europaweiten Produktionen und Tourneen.

    Ganz am Anfang der Gründung war ich Eventmanagerin und habe Einzelveranstaltungen organisiert, z. B. Galaevents, Firmenveranstaltungen und Incentives, denn durch meine Ausbildung unter anderem in der Metropolis-Halle, hatte ich viele Erfahrungen gesammelt. Das habe ich ein oder zwei Jahre so gemacht, bis ich auf die Seite der Künstler gewechselt bin. Dadurch habe ich mein Geschäftsfeld zur Bookingagentur für Kabarettisten und Comedians verändert. Das heißt, ich verkaufe den Künstler an das Theater und organisiere Konzerte, Auftritte, Tourneen und alles was dazu gehört. Ich vertrete also den Künstler nach außen. Meine Kernkompetenz liegt darin, zusammenhängende Tourneen zu organisieren und ihn über das Jahr zu beschäftigen. In dieser Zeit habe ich unter anderem Künstler vertreten, wie Evi & das Tier und Barbara Kuster.

    Im Laufe der Zeit hat es sich herauskristallisiert, dass die Künstler selbst große Showproduktionen an den Start gebracht haben und ich dadurch immer mehr an größere Theater vermittelt habe. Nicht zuletzt durch die Übernahme einer Showproduktion von und mit den Tango Weltstars Nicole Nau und Luis Pereyra. Deshalb ist es jetzt so, dass ich mich auf Shows konzentriere und für diese Shows zusammenhängende Tourneen durch alle großen Theater organisiere, vorrangig ab 500 Plätze aufwärts mit Fokus auf Deutschland.

    Was ist das Besondere an deiner Arbeit?

    Ich arbeite mit Leidenschaft und habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Sonst könnte ich das auch nicht in dieser Intensität durchziehen. Es ist sehr allumfassend und zieht sich bis ins private Leben. Es gibt keine klare Trennlinie zwischen Privat- und Berufsleben. Manchmal merke ich gar nicht, dass ich arbeite, weil ich mit großer Freude dabei bin (außer bei der Buchhaltung). Ich arbeite gerne von Zuhause, und da ich sehr viel unterwegs bin, auch gerne in der Bahn.

    Der Mensch dahinter

    Ich habe Tourismus- und Eventmanagement in Potsdam und Berlin studiert. Geprägt hat mich aber sehr die Zeit im Ausland – diese fünf Jahre sehe ich als wichtigen Teil meiner Ausbildung. Ich habe zweieinhalb Jahre in London gearbeitet, war anderthalb Jahre als Backpacker unterwegs und lange Zeit in Australien und Asien. Ich bin mit einem sehr hinterfragenden Wesen losgefahren und als ich wiederkam, war mir bewusst, ich schaffe alles. Ich muss es nur anpacken und auch mal ins kalte Wasser springen, alles ist machbar. Das war ein wichtiger Prozess meiner Entwicklung.

    Gegründet habe ich mit 28 Jahren.

    Warum bist du damit erfolgreich? Was hat sich im Laufe der Jahre geändert?

    Ich kenn mich jetzt aus in dem Metier, sowohl vonseiten der Künstler, weil ich in einer Künstlerfamilie groß geworden bin, als auch von der Seite der Veranstalter – das ist eine gute Kombination, die mich so erfolgreich macht. Deswegen werde ich oft zurate gezogen, weil ich die Bedürfnisse der Künstler und der Auftraggeber verstehe.

    Ich werde respektiert von den Veranstaltern, denn ich bin immer respektvoll und zuverlässig. Das ist ganz wichtig in meiner Tätigkeit. Heute habe ich zuverlässige und gute Kontakte, mit denen ich gerne zusammenarbeite und die ich einfach anrufen kann, um nach freien Terminen zu fragen. Das ist viel einfacher geworden. Trotzdem bin auch noch viel unterwegs und besuche die Ansprechpartner persönlich.

    Doch das war nicht immer so – aller Anfang ist als Selbstständige schwer und die Kaltakquise war sehr hart. Ich musste mich stundenlang durch Deutschland telefonieren, und habe mich vorgestellt, bis ich als Agentur ernst genommen wurde. So habe ich mir einen Namen in der Agenturwelt erarbeitet.

    Dein Bezug zu Brandenburg

    Meine ganze Familie lebt hier in Potsdam, ich bin ein Familienmensch und ich war sooo lange unterwegs, dass ich mich nach meiner Heimat gesehnt habe, nach dem Babelsberger Markt und meiner Familie. Ich wollte, dass dort meine Basis ist, wo ich mich am wohlsten fühle, um von hier aus wieder in die Welt hinauszugehen. Mir war immer klar, dass, auch wenn ich in Potsdam gründe und arbeite, ich doch weltweit agieren möchte. Das Potsdamer Fundament macht mich standfest.

    Aus welchem Grund hast du dich damals selbstständig gemacht?

    Nach meinem Trainee in der Metropolis-Halle war mir sehr schnell bewusst, dass ich selbstständig arbeiten will. Ich wollte mutig vorangehen. Und ich habe dabei einen tollen Rückhalt von meiner Familie erfahren, die mich sehr motiviert und unterstützt hat. Sie waren einfach da und haben mich mutig gemacht. Die Idee, in Potsdam eine Eventagentur zu gründen, war ja nicht außergewöhnlich oder innovativ, sodass klar war, dass ich mich spezialisieren muss. Daher die Entwicklung von der Eventmanagerin zur Booking Agentin für Showproduktionen - und da möchte ich gern erst mal bleiben.

    Die wichtigste Erfahrung als Gründerin?

    Es hat viele Jahre gedauert, bis ich so perfekt aufgestellt war. Ich habe viele Aufgaben jetzt ausgesourct und eine ganz tolle Mitarbeiterin, die mir das ganze Administrative abnimmt. Ich bin am Kunden dran und telefoniere den ganzen Tag und Yuriko übernimmt das ganze Backoffice, erstellt die Verträge, koordiniert Hotelbelegungen und vieles mehr.

    Ich habe jetzt viele externe Partner, mit denen ich hervorragend zusammenarbeite – es gibt zum Beispiel eine feste Kooperation mit einer PR-Agentur, einem Technikteam, einer Rechtsabteilung und einer Buchhaltung, weil alles allein nicht mehr zu bewerkstelligen ist. Jeder ist spezialisiert auf seinem Feld.

    Was waren die Stolpersteine als Gründerin? Welche sind es jetzt?

    Es gab viele Stolpersteine. Man muss als Selbstständige viel lernen und von Anfang an alles können, von der Buchhaltung bis zur eigenen Vermarktung. Man muss sich zusammenreißen können und ständig an sich arbeiten. Und bei alldem gab es natürlich Situationen, wo ich mich „finanziell hingesetzt“ und daraus gelernt habe, dass man sich geschäftlich nur auf sich selbst verlassen kann.

    Was sind für dich die Vorteile & Nachteile der Selbstständigkeit?

    Ich bin meinem Herzen gefolgt und mache das, was ich schon immer wollte – mit Menschen kommunizieren und Menschen begeistern. Ich wollte selbstbestimmt sein. Also habe ich dann mit 0,- Euro Puffer, und den letzten 50,- € in der Tasche, mein Unternehmen gegründet. Ich kam nach der Gewerbeanmeldung aus dem Stadthaus und dachte: Jetzt ist was Großes passiert. Ich kaufte mir von dem Wechselgeld der Bearbeitungsgebühr am Späti eine Sektflasche und habe mit mir selbst darauf angestoßen.

    Der gravierendste Nachteil, ist der, dass das gesamte Umfeld mit einbezogen wird. Familie und Freunde müssen viel Verständnis mitbringen. Es wird immer Auswirkungen auf das Privatleben haben und das muss stabil sein. Ich kann nicht wirklich krank sein und Urlaub ohne Handy ist gerade auch nicht drin. Ich bin aber auch mitten im Expansionsprozess und ich habe zwei Monate im Jahr, in denen das Tournee-Geschäft ruht und ich mich nur um die Agentur-Entwicklung kümmere. Das Ziel ist, mindestens einen Monat davon komplett Urlaub zu haben, um wieder Energie zu tanken.

    Was würdest du beim nächsten Mal anders machen?

    Ich habe meine Selbstständigkeit nie bereut und stehe jeden Morgen auf und freue mich!

    Anders machen: Trotz der guten Begleitung von Enterprise hätte ich mich am Anfang besser informieren müssen über verschiedene Förderungen für eine finanzielle Sicherheit; zu meiner Zeit gab es aber auch weder eine vernünftige Förderung vom Arbeitsamt noch diese Messeförderung, die es heute gibt. Und ich hätte ein Angebot für einen Kredit annehmen sollen, hätte mutiger sein müssen, um schneller da zu sein, wo ich jetzt erst nach fast zehn Jahren über Umwege hingekommen bin. Manchmal ist meine angeborene Vorsicht als Unternehmerin fehl am Platze. Andererseits habe ich erst die geschäftliche Stärke entwickelt, die man für größere Investitionen und Entscheidungen benötigt. Irgendwie kommt alles so, wie es soll.

    Was empfiehlst du anderen Gründer*innen bzw. Jung-Unternehmer*innen?

    Am Anfang steht der Wille und die Vision. Man sollte sich die Zeit geben, zu schauen, ob es einen Markt für meine Dienstleistung oder mein Produkt gibt. Und wenn es nicht passt: Sei mutig genug, dich zu verändern! Folge nicht stoisch deinem ersten Businessplan, sondern habe den Mut zu Veränderungen und Entwicklungen, und schreibe den Plan neu. Ich habe viel an mir gearbeitet, an meiner Persönlichkeit, an meinen Einstellungen, an meinen Geschäftsbeziehungen.

    Ich warne eindringlich davor, zu schnell zu vertrauen – man kann ja mittlerweile leicht seinen Geschäftspartner überprüfen, wie oft sie z. B. schon insolvent waren. Fehler sind auch wichtig, aber wenn es geht, sollte man sie durch Wachsamkeit vermeiden.

    Aus meiner Sicht ist es wunderbar, Kooperationen zu schließen und sich mit kompetenten Menschen auszutauschen. Großes kann man nur bewirken, wenn man eigene Grenzen überschreitet und seine bequeme Wohlfühlzone verlässt.

    Und achtet auf Euch selbst! Und auf Eure Kondition. Selbst ich, als selbst ernannter Sportmuffel, musste das erkennen. Es steht und fällt mir Dir!

    Kontakt

    Agentur Hanna Kuster

    Karl-Marx-Str.10, 14482 Potsdam

    Telefon: 0049 (0) 331 – 58241247
    Handy: 0049 (0) 179 – 1189807
    E-Mail: hello(at)hannakuster.de

    Web: www.hannakuster.de

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