• 2016 · Phil Hartmann

    Inhaber Bio-Manufaktur · Altglobsow

    (rechts im Bild)

    Beschreibe bitte dein Unternehmen.

    Drei Jahreszeiten macht viel – in erster Linie stellen wir in unserer gläsernen Manufaktur Produkte in Handarbeit her und verarbeiten für Marmeladen, Chutney, Sirup, Likör, Senf und Säfte möglichst nur saisonale und regionale Früchte. Diese Produkte verarbeiten wir dann auch weiter für Kuchen, Crêpes, Desserts bei Veranstaltungen und für Caterings. Unser Grundprinzip für die Herstellung ist, so wenig wie möglich Zutaten zu verwenden, also Früchte, Apfelpektin und wenig Zucker, ohne künstliche Zusatzstoffe. Dafür ernten wir 70 bis 80 Prozent der Früchte selbst und lassen sie in der Mosterei Kyritz zu Saft verpressen. Dadurch können wir auch im Winter noch frisch nachproduzieren.

    Dazu gibt es einen Hofladen in Altglobsow mit Mini-Café und einen Biokisten-Lieferservice, der von Fürstenberg, Rheinsberg und Oranienburg über Berlin, Potsdam bis Zossen reicht. Wir können für Veranstaltungen und Geburtstagsfeiern gebucht werden und stellen die Catering-Komponenten und Crêpes frisch her.

    Mit Frank Rumpe vom Biohof kepos, dessen Gemüse wir auch verarbeiten und mit der Biokiste ausliefern, haben wir im vergangenen Jahr das Café Glasklar in Neuglobsow direkt am Stechlinsee gegründet. Das Café führt Susanne inzwischen in Eigenregie, auch mit einem regionalen, saisonalen und biologisch hergestellten Angebot. Das Café kann für Veranstaltungen und Feiern gebucht werden. Wir arbeiten in allen Bereichen eng zusammen, unsere Produkte tauschen wir untereinander aus.

    Nachdem wir Drei anfänglich alles in Eigenregie gestemmt haben, haben wir im letzten Jahr noch mal umstrukturiert, lassen alles etwas langsamer, dafür aber gründlicher angehen – jeder hat jetzt seinen Bereich mit den entsprechenden Verantwortlichkeiten und mehr Zeit: Der Biohof wird wieder von Frank Rumpe und einer Gärtnerin bewirtschaftet, ich und Jörg Martin verantworten (mit Unterstützung meiner Familie) den Biokisten-Service, den Hofladen und die Manufaktur, und Susanne und Leo arbeiten im Café mit zwei Mitarbeiterinnen.

    Was ist das Besondere an deiner Arbeit?

    In einem ganz kleinen Dorf mit 80 festen Einwohnern haben wir eine Manufaktur und einen Laden eröffnet und trotzdem läuft es gut. Der Laden wird sehr gut von Touristen und Stammkunden aus der Umgebung angenommen – damit hätte zu Beginn kaum jemand gerechnet. Das Konzept stimmt, wir gehen immer auf Kundenwünsche ein und wir verkaufen Produkte, die saisonal, regional UND bio sind. Wir kooperieren gern mit anderen Partnern aus der Region, z. B. der Bäckerei Vollkern bei Neuruppin, das Gut Brodowin oder Söbbecke, Eier aus Schloss & Gut Liebenberg. Transparenz ist auch ganz wichtig – ich erkläre dem Kunden, woher die Produkte kommen, die wir hier verkaufen, wie wir die Früchte verarbeiten, warum der Preis zustande gekommen ist.

    In früheren Zeiten gab es viel mehr unverarbeitete Lebensmitteln, ohne Chemie und ohne Zusatzstoffe, da war alles sozusagen bio, und dahin wollen wir zurück. Ich verstehe gar nicht, warum Bio-Produkte zertifiziert werden müssen, eigentlich müsste auf den konventionellen stehen - chemisch behandelt - und was der Verbraucher da alles mitkauft.

    Warum bist du damit erfolgreich? Was hat sich im Laufe der Jahre geändert?

    Die Selbstständigkeit macht auf jeden Fall Spaß, das ist wichtig. Und das Reden und Fragen hilft mir sehr, mich und das Unternehmen weiterzuentwickeln. Man muss seinen Weg finden; das Angebot muss zu den Kunden passen, aber man kann sich seine Kunden auch ein bisschen erziehen. Wir haben verschiedene Produkte getestet, auch wie sie bei den Kunden ankommen und die besten dann dauerhaft ins Angebot aufgenommen. Wir bleiben dennoch bei unserer Linie und bieten regional und biologisch Angebautes an. Meistens habe ich von jeder Produktgruppe zwei Sachen da – ein regionales, meist höherpreisiges und eines mit einem niedrigeren Preis. Und manche Sachen können wir einfach nicht anbieten, weil sie nicht in unserer Wunsch-Qualität zu erhalten sind.

    Ich habe alles selbst probiert, um die Qualität einschätzen zu können, und freue mich, dass das Sortiment im Hofladen stetig wächst.

    Zum Erfolg von Drei Jahreszeiten trägt auch bei, dass wir hier in der Region als auch im gesamten Land Brandenburg viele Partner haben, deren Produkte wir nutzen und die unsere Produkte mit in ihren Läden verkaufen. So hilft man sich in den kleinen regionalen Unternehmen.

    Wir bauen gerade einen zweiten Standort im Süden von Berlin auf. Dort wird es einen Hofladen mit Café geben, die Manufaktur wird nach Zossen umziehen, ein zweiter Biokisten-Standort Süd wird aufgebaut. Das ist alles noch in der Planung. Wir wollen so die Region stärken. Bisher kann ich Kunden dort nicht beliefern, weil die Route zu weit und die Belieferung damit uneffektiv und teuer ist.

    Der Mensch dahinter

    Ich habe eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker gemacht und zusammen mit Leo bei Mercedes in Ludwigsfelde gearbeitet. Schnell haben wir da gesehen, dass das nicht das Richtige für uns ist. Wir kamen nicht weiter, erhielten nicht die Wertschätzung und Anerkennung, die angemessen gewesen wäre. Also haben wir das Abitur nachgeholt und ich begann mit einem Maschinenbau-Studium. Allerdings war und ist es schwierig, den Aufbau der Selbstständigkeit und ein Studium zu verbinden. Es gab häufig Momente, in denen ich mich entscheiden musste, was wichtiger ist. Deshalb zieht sich das Studium auch noch etwas hin.

    Die ersten Events und Märkte, wo ich für Crêpes gebucht wurde, haben großen Spaß gemacht und es kam bei den Leuten gut an. Dann kam Stück für Stück immer etwas dazu: Biohof, Hofladen, Produktion in der Manufaktur, Biokisten ausfahren, Events. Ich habe jede Menge Abwechslung und aktuell wird auch der Onlineshop wieder auf Vordermann gebracht. Es gibt viel zu tun und ich mache jeden Tag etwas anderes.

    Meine Familie hatte schon immer einen Garten und ich habe mir nach und nach alles Wichtige für den Gemüseanbau angeeignet; wir haben uns intensiv mit der Zusammensetzung von Lebensmitteln auseinandergesetzt und Leo kennt sich super mit der Herstellung von Produkten aus.

    Dein Bezug zu Brandenburg

    Ich bin Brandenburger, ich bin in Zossen aufgewachsen. Man hat dort beides: Berlin vor der Tür und doch jederzeit die Möglichkeit, wieder aufs ruhige Land zu flüchten.

    Nach Altglobsow sind wir eher durch Zufall gekommen – Leo hat hier auf dem Hof ein Praktikum absolviert und später bin ich auch noch dazu gekommen und habe geholfen. Dann gab es die Möglichkeit, den Hofladen mit Küche hier auszubauen und mithilfe einer Leader-Förderung haben wir das innerhalb eines Jahres auch hinbekommen. Wir waren eigentlich recht flexibel, was den Ort angeht. Hier gibt es ausreichend Fläche zum Gemüse-Anbau und die Streuobstwiese, kaum Konkurrenz, die Nähe zu Berlin und den Bedarf für gutes Biogemüse und -obst.

    Aus welchem Grund hast du dich damals selbstständig gemacht?

    Ich hatte keine Lust mehr, am Band zu stehen oder in der Logistik zu arbeiten. Ich kam nicht mehr weiter. Und wenn man stupide immer die gleiche Arbeit macht, hat man irgendwann keinen Spaß mehr. Ich möchte gefordert werden. Und Selbstständigkeit fordert. Immer.

    Was ist deine wichtigste Erfahrung als Gründer und Unternehmer?

    Mit allen Leuten reden und sich nicht ins stille Kämmerlein zurückziehen! Man bekommt unglaublich viel Feedback, insbesondere von anderen Jungunternehmern. Die haben ähnliche Probleme und Erfahrungen und haben auch schon mit Freunden, Familie und gestandenen Unternehmern gesprochen. Man bekommt viele Tipps und Rückmeldungen, auch wenn es 1.000 verschiedene Tipps sind, kann man sich dann daraus sein eigenes Urteil bilden und seinen Weg finden. Ich glaube, nur so kommt man voran. Nach meiner Erfahrung funktioniert es auch gut, mit den Großen im Geschäft, in seiner Branche zu sprechen, man bekommt auch dort Hilfe. Auch sie haben Fehler gemacht, die man selbst dann nicht auch noch mal machen muss. Man kann immer fragen. Gerade in der Biobranche gibt es noch so viel Potenzial; da gibt es wenig Konkurrenz, aber viel Miteinander.

    Neben ganz vielen anderen wichtigen Erfahrungen, denke ich auch, man muss es einfach machen und ausprobieren. Wenn ich vor ein paar Jahren noch länger darüber nachgedacht hätte, welche finanziellen und sonstigen Konsequenzen es hat, wäre ich nie fertig geworden und ich hätte es vielleicht nicht getan. Andererseits war für uns wichtig, uns die Zeit zu nehmen, weil wir Fördermittel für den Ausbau der Küche beantragt hatten. Das war ein langwieriger Prozess, uns zu informieren, es zu beantragen und abzuwarten. Am besten dafür ein Jahr einplanen und auch Unterstützung bei der Beantragung einfordern.

    Was waren die Stolpersteine als Gründer? Welche sind es jetzt?

    Am Anfang gab es erstaunlich wenig Stolpersteine – durch die gute Gründungsberatung und die Unterstützung unserer Familien konnten wir schon beginnen und produzieren, bevor die Manufaktur überhaupt fertig war. Die Leader-Förderung zu beantragen, war wirklich langwierig.

    Das Café konnte erst deutlich später eröffnet werden, als wir es uns gewünscht hatten. Aber die Auftragsbücher der ausführenden Firmen waren so voll, dass wir erst im Spätsommer starten konnten. Glücklicherweise hatten wir ja schon diesen gut funktionierenden Laden, sodass wir nicht unbedingt Einnahmen daraus generieren mussten. Da mussten wir sehr rechtzeitig planen.

    Was sind für dich die Vorteile & Nachteile der Selbstständigkeit?

    Wenn man es gut organisiert, kann man sich Zeit für seine Hobbys nehmen, mal zum Fußball gehen oder an die Ostsee fahren. Das war während meiner Arbeit im Schichtsystem nicht so einfach möglich.

    Ich habe zwar gerade in der Saison wirklich viel zu tun, arbeite auch oft 14 oder 16 Stunden am Tag, aber ich kann mir meine Zeit selbst einteilen und alles selbst organisieren. Ich bin mein eigener Chef und weiß selbst, ob ich mir jetzt eine Pause leisten kann oder nicht. Niemand sagt mir, du musst dies tun, oder du musst das jetzt tun. Viel Selbstdisziplin ist gefragt. Ich habe viele Ideen und viele Möglichkeiten und kann Sachen ausprobieren. Man muss aber mutig sein, auch mal nicht aufs Geld zu schauen. In einer Festanstellung habe ich sicher mein Gehalt, in der Selbstständigkeit, gerade in der Anfangsphase, investierst du unglaublich viel Geld und Zeit mit ungewissem Ausgang. Aber irgendwann funktioniert es, oder man fängt etwas Anderes an.

    Es ist Freud und Leid des Selbstständigen, dass man alles selbst entscheiden kann und muss – was will ich investieren? Wie plane ich meine Arbeitszeiten? Kann ich schon an den See oder arbeite ich besser noch etwas ab? Es wird nie langweilig; ich werde permanent gefordert.

    Was würdest du beim nächsten Mal anders machen?

    Vielleicht… Aber nur, weil ich inzwischen so viel gelernt habe. Es passt nicht immer optimal, manchmal passiert etwas einfach zur falschen Zeit. Aber für alles lässt sich eine Lösung finden, die ich permanent verbessern kann. Nur nicht auf der Stelle stehen bleiben.

    Am Anfang hatten wir uns eine Küche gemietet und mussten dann immer hin und her fahren; dann wurde etwas vergessen und wir sind wieder 60 km gefahren. Das war absolut nicht wirtschaftlich und ein Chaos. Deshalb haben wir relativ schnell gesagt, wir brauchen eine eigene Küche, und das hat sich hier zufällig auf dem Biohof kepos ergeben. Leo hat hier ein Praktikum gemacht und damit den Hof kennengelernt.

    Was empfiehlst du anderen Gründer*innen bzw. Jung-Unternehmer*innen?

    Viele Standbeine zu haben, ist auf jeden Fall hilfreich; so kann man auch mal einen nicht zu gut laufenden Geschäftsteil ausgleichen. Jeder Mitgründer im Team sollte seinen Bereich haben. Und da ist wichtig, es auch mit Verträgen zu strukturieren, sozusagen „Verträge zum Vertragen“. Auch wenn alles gut läuft, ist man nie davor gefeit, dass doch auch mal was schiefgeht; und dann ist man gegenseitig abgesichert.

    Redet und fragt! Das Sprechen mit anderen Unternehmern und der Austausch hilft ungemein, sich selbst und sein Angebot einzuschätzen, von Fehlern anderer zu lernen und ein starkes Netzwerk in der Region aufzubauen.

    KONTAKT

    Firmensitz

    „Drei Jahreszeiten“ (Gutes vom Dorf 3JZ GmbH)

    Lehmannstraße 26, 15806 Zossen

    Seestr. 1b, 16775 Großwoltersdorf OT Altglobsow

    Bio-Laden und Gläserne Manufaktur

    Seestraße 1b, 16775 Altglobsow

    Tel: 033208/407791

    Mobil: 0174/1614018

    Web: drei-jahreszeiten.com

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