• 2017 · Alexander Henning

    Forstwirt · Beelitz

    Beschreibe bitte dein Unternehmen.

    Ich habe ein Holzunternehmen zur Pflege des Waldes gegründet. Dazu habe ich einen Harvester gekauft, der in einem Arbeitsschritt Bäume fällt, entastet und ablängt. Dazu habe ich noch ein mobiles Sägewerk angeschafft. So kann ich zu Waldbesitzern fahren und aus bereits gefällten Bäumen auf Wunsch Balken oder Bohlen zu schneiden. Meine Kunden sind hauptsächlich in Brandenburg, das läuft über verschiedene private Kontakte und durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Es sind Privatwaldbesitzer oder größere Holzvermarktungsunternehmen.

    Bis jetzt bin ich das ganze Jahr über beschäftigt. Die Hauptzeit zum Bäumefällen ist eigentlich im Winter, aber durch einen großen Sturm im letzten Jahr war ich gerade sechs Monate in der Prignitz im Einsatz. Jetzt arbeite ich wieder heimatnah.

    Was ist das Besondere an deiner Arbeit?

    Mir macht es Spaß, den Wald zum Positiven zu verändern. Gerade in Zeiten des Waldumbaus ist es schön, nach Jahren wiederzukommen und zu sehen, wie sich der Wald verändert hat. Hier stehen wir ja gerade in einer Kiefern-Monokultur; ich hole einzelne Bäume raus, damit sich dann Laubbäume darunter ansiedeln können.

    Nicht so schön ist, dass ich immer allein in der Maschine bin, aber die Arbeit macht mir Spaß. Ich arbeite mit einem Subunternehmer zusammen, der hinter mir das Holz mit einer speziellen Maschine, einem Rückezug, aus dem Wald holt und zu großen Poltern aufstapelt. Und häufig kommen auch die Waldbesitzer raus, um nach dem Arbeitsfortschritt zu schauen. Meine Büroarbeit mache ich allein, meine Freundin unterstützt mich aber dabei.

    Warum bist du damit erfolgreich?

    Förster und Waldbesitzer sind sehr zufrieden mit meiner Arbeit; Qualität und Quantität stimmen. Auf Grundlage meiner forstlichen Kenntnisse und den Wünschen des Waldbesitzers, wie der Wald einmal aussehen soll, entscheide ich, welche Bäume gefällt werden.

    Der Mensch dahinter

    Ich habe Forstwirt in Kunsterspring (bei Neuruppin) gelernt, meine Ausbildungsstätte war in Luckenwalde. Dort habe ich auch den Forstmaschinen-Führerschein gemacht, den die 20 Besten eines Lehrjahres machen dürfen. Danach habe ich ein halbes Jahr im Garten- und Landschaftsbau gearbeitet, aber das war nicht so meins; und dann noch sechseinhalb Jahre in Anstellung bei einem Forstunternehmen, wo ich auch viel über die Erntemaschinen gelernt habe.

    Mit 29 Jahren habe ich mich dann selbstständig gemacht und konnte dabei auf meine vielen Erfahrungen zurückgreifen.

    Dein Bezug zu Brandenburg

    Beelitz ist meine Heimat und ich kenne hier den Wald und die Waldstruktur gut. Waldarbeit ist eine Vertrauenssache; es ist Generationenarbeit und der Waldbesitzer nimmt nicht jeden Unternehmer. Qualitätsarbeit ist wichtig.

    Aus welchem Grund hast du dich damals selbstständig gemacht?

    In meiner Anstellung habe ich im Schnitt 200 bis 240 Stunden im Monat auswärts gearbeitet und das wurde nicht entsprechend entlohnt. Zudem habe ich schon dort sehr eigenständig gearbeitet, habe mich selbst um die Maschine und das Umsetzen gekümmert. Irgendwann habe ich gedacht: Das kann ich besser selbst.

    Die wichtigste Erfahrung als Gründer?

    In meiner Ausbildung waren Buchhaltung und steuerliche Grundlagen nicht so relevant, da hatte ich am Anfang viel Nachholbedarf. Schwieriger als gedacht war das Finanzielle, z. B. wie es ist, einen Kredit zu bekommen und welche Sachen dabei alle zu beachten sind.

    Ursprünglich wollte ich mich nur mit einem Rückezug selbstständig machen, aber im Laufe der Beratung bei Enterprise und in den Gesprächen mit meinem Berater wurde mir klar, dass ich mich spezialisieren muss. Und das gelingt mit dem Harvester besser. Allerdings war es schwierig, einen Subunternehmer zu finden, der mir das Holz aus dem Wald an den Wegesrand holt. Denn zwei Maschinen am Anfang zu kaufen, wäre mir zu riskant gewesen.

    Was waren die Stolpersteine auf dem Weg zum Unternehmer?

    Jeder Holzvermarkter hat eigene Kriterien beim Verkauf; jeder möchte gern bestimmen. Da musste ich erstmal lernen, wie jeweils die Verträge zu verhandeln sind.

    Was sind für dich die Vorteile & Nachteile der Selbstständigkeit?

    Der größte Vorteil: Ich bin mein eigener Chef und kann mir meine Arbeit selbst einteilen. Ich verdiene im Moment ganz gut, und natürlich will ich gern investieren. Aber noch kann ich nicht einschätzen, wie die kommenden Jahre laufen werden und ob ich das dann abzahlen kann.

    Aber, man muss bereit sein, viel zu arbeiten. 50 bis 60 Stunden Arbeit sind in der Woche schon normal, und am Sonntag wartet dann das Büro. Das ist nicht immer einfach, sich die Zeit zu nehmen und Familie, freiwillige Feuerwehr und die Selbstständigkeit unter einen Hut zu bekommen.

    Zudem sind Urlaub, Krankheitszeiten und regelmäßiges Einnahmen in dieser Branche nur schwer planbar. Der Holzmarkt muss mitspielen, und im Preiskampf ist es schwierig, als kleines Unternehmen mitzuhalten.

    Was würdest du beim nächsten Mal anders machen?

    Ich habe bisher keine Entscheidung bereut. Ich bin total zufrieden mit dem Kauf der Maschine, es läuft alles gut. Bisher passt alles.

    Was empfiehlst du anderen Gründer*innen bzw. Jung-Unternehmer*innen?

    Mein Tipp: Mit anderen Unternehmern viel sprechen und sich ein klares Bild machen. Selbstständigkeit geht natürlich nicht ohne schwierige Zeiten oder Risiken. Trotzdem, jeder, der eine gute Idee hat, sollte es mit der Selbstständigkeit ausprobieren – auch wenn man dabei vielleicht auch auf die Nase fällt.

    KONTAKT

    Holz Henning – Holzernte und Waldarbeiten

    Alexander Henning

    Neubauernstraße 3, 14547 Beelitz

    Tel.: 0173 6310775

    Web: holz-henning.de (noch im Aufbau)

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