• 2019 · Carolin Harras

    Bio-Gärtnerin · Paretz

    Beschreibe bitte dein Unternehmen.

    Ich habe einen Hektar landwirtschaftliche Fläche gepachtet, um darauf ökologisches Gemüse anzubauen. Hierbei lege ich mein Augenmerk auf den Anbau alter, samenfester Sorten, da es ein großes Problem mit konventionellem Hybridsaatgut gibt, das unter Einsatz giftiger Chemikalien produziert wird und somit zum Insektensterben, sowie ausgelaugten und schadstoffverseuchten Böden führt. Außerdem kann es von Bauern selbst nicht weitervermehrt werden, wodurch gefährliche Abhängigkeiten zu großen Konzernen wie Monsanto entstehen. Ich baue auch zahlreiche Gemüse, Kräuter, Blumen und Sträucher aus der Region an, die an das hiesige Klima angepasst sind und den heimischen Insekten und Wildvögeln wertvolle Nahrung und einen Lebensraum bieten. Neben den heimischen Sorten, experimentiere ich in kleinem Umfang aber auch mit exotischeren Gewächsen, wie zum Beispiel Süßkartoffeln, Physalis, Kurkuma oder Ingwer. Ich möchte ausprobieren, was in Brandenburg zu kultivieren möglich ist, damit meine Kunden zur Erkältungszeit nicht auf ihren Ingwertee verzichten müssen, aber unnötige Transportwege (z.B. aus Peru/China) vermieden werden können. Grundsätzlich aber liegt mein Fokus auf der Tomate - ein unfassbar vielseitiges Fruchtgemüse, von dem ich in den letzten Jahren ca. 170 Sorten gesammelt habe. Es gibt sie in verschiedensten Größen, Formen, Farben, Konsistenzen und Geschmacksrichtungen. Die Vielfalt im Gemüsegarten ist mir eine absolute Herzensangelegenheit.

    Momentan habe ich zwölf Abo-Kunden, die einmal wöchentlich eine Gemüse-Kiste von mir beziehen. Das sind bislang vorwiegend Leute aus der Nachbarschaft oder dem Bekanntenkreis. Im nächsten Jahr werde ich zwischen 30 und 40 Gemüse-Abos vergeben und somit Menschen in meiner Umgebung mit nährstoffreichem und unbelastetem Gemüse, Kräutern, Beeren und Blumen versorgen. Des Weiteren gibt es eine Kooperation mit dem Unverpackt-Laden „MaßVoll“ in Potsdam, den ich dienstags beliefere und eine weitere mit Jürgen Stelzer, dem Gründer von „Cookomania“, der aus meinen Tomaten Chutneys, Marmeladen und Suppen zubereitet.

    Was ist das Besondere an deiner Arbeit?

    In erster Linie ist es das hervorragende Aroma meines Gemüses. Es ist einerseits auf die alten Sorten und andererseits darauf zurückzuführen, dass das Gemüse überwiegend im Freiland und nicht im Gewächshaus angebaut und nur mit natürlichen organischen Materialien, wie Kompost, Gesteinsmehlen oder Pflanzenjauchen, gedüngt wird. Eine süße, wohlschmeckende und duftende Möhre aus dem Garten beispielsweise ist nicht vergleichbar mit der bitteren, wässrigen und vermutlich noch in Plastik eingeschweißten Rübe, die man aus dem Supermarkt kennt. Zudem verzichte ich auf den Einsatz von Maschinen und mache tatsächlich alles von Hand, um den Boden zu schützen und das Bodenleben zu fördern. Meine Anbauweise ist sehr ursprünglich und traditionell und diesen Unterschied schmeckt man.

    Der Mensch dahinter

    In der Zeit nach dem Abitur, als ich noch in einem kleinen Kino jobbte, begann ich gemeinsam mit meiner Mutter einen Selbstversorgergarten anzulegen, der dann von Jahr zu Jahr erweitert wurde. Ich bin in der Gartenarbeit total aufgegangen und bemerkte erstmals, wie wichtig es mir ist etwas Sinnvolles für meine Familie und die Umwelt zu tun. Wir haben dann auch angefangen, das Gemüse in der Nachbarschaft zu verkaufen, doch das war damals lediglich ein Hobby. Ich zog nach Berlin, um an der HU Erziehungswissenschaften und Philosophie zu studieren. Zu dieser Zeit hatte ich noch keine Ahnung, was ich tatsächlich einmal beruflich machen möchte. Zwar habe ich den Bachelor geschafft, wusste aber schon, dass ich in diesem Bereich nicht arbeiten möchte. Nach reiflicher Überlegung begann ich die Ausbildung zur Gemüsegärtnerin, brach sie jedoch bereits nach einem Jahr wieder ab, weil ich es einfach selber versuchen wollte. Ich habe mich umgeschaut und bin zufällig auf diese tolle Fläche in Paretz gestoßen. Nach einer Besichtigung im November bekam ich direkt eine Zusage und unterschrieb den Pachtvertrag. Meine Verpächter sind seither eine große Unterstützung für mich: Sie sind sehr daran interessiert, dass auf ihren Ackerflächen ökologischer Gemüsebau betrieben wird, stellen mir sämtliches Werkzeug und Gartengeräte, sowie einen Teil ihres Kellers zur Lagerung meiner Ernte zur Verfügung und helfen auch sonst, wo sie nur können. Das ist ein tolles Gemeinschaftsgefühl. Also dachte ich mir: Wenn es klappt, dann hier. Und bislang läuft es wie am Schnürchen.

    Dein Bezug zu Brandenburg

    Ich bin sehr heimatbezogen und habe einen Großteil meines Lebens in Brandenburg verbracht. Aufgewachsen bin ich in Falkensee, habe während meines Studiums für fünf Jahre in Berlin gelebt, bin daraufhin für die Ausbildung zur Gemüsegärtnerin nach Potsdam gezogen und habe mich in diese Stadt verliebt. Daher bot sich das mit der Pachtfläche in Paretz an - sie liegt nur 20km von meiner Wohnung in Potsdam entfernt. Meine Kunden kommen überwiegend aus Potsdam, aber auch aus Paretz selbst, da sich meine Betriebsgründung in der Dorfgemeinschaft schnell herumgesprochen hat und viele Leute vorbeikommen, um sich anzuschauen, was dort passiert. Neben den Gemüse-Abos plane ich samstags einen „Ab-Hof-Verkauf“ zu etablieren, um Interessierten die Möglichkeit zu geben, selbst zu ernten und zu sehen, wo und wie das Gemüse produziert wird, das später auf ihrem Teller landet.

    Aus welchem Grund hast du dich damals selbstständig gemacht?

    Ich hatte schon immer Probleme damit, Aufgaben zu erledigen, die ich selbst nicht für sinnvoll halte. Das frustriert mich dann bei der Arbeit. Ich bin deutlich zufriedener, wenn ich mein eigener Chef bin und selbst entscheiden kann, wann ich was mache. Andererseits wollte ich auch Dinge besser machen. Vielleicht ist das auch mein Anfangsoptimismus bzw. Idealismus, aber das motiviert mich. Ich möchte einen Beitrag zum Naturschutz leisten und meinen Kunden zeigen, dass eine Ernährung mit regional produziertem Obst und Gemüse der Saison keine Einschränkung, sondern vielmehr ein Gewinn ist und ihnen die Sortenvielfalt, die leider zunehmend in Vergessenheit gerät, wieder näherbringen. Außerdem arbeite ich gerne alleine und habe meine Ruhe.

    Die wichtigste Erfahrung als Gründerin?

    Was wahrscheinlich alle Gründer sagen, ist, dass es viel mehr Arbeit ist, als man im Vorfeld erwartet hat. Insbesondere das Organisatorische und die Behördengänge waren für mich teilweise wirklich nervenaufreibend, da ich hiervon wenig Ahnung habe und man auf so etwas ja auch leider weder in der Schule noch im Studium vorbereitet wird. Ansonsten bin ich der Meinung, dass man sich einfach trauen muss und umsetzten sollte, was einem im Kopf herumschwirrt, weil man es womöglich bereut, wenn man es nicht tut. Man muss mutig sein und darf nicht alles zerdenken.

    Was waren die Stolpersteine als Gründerin? Welche sind es jetzt?

    Überraschend wenige. Mir fällt nichts ein. Das mit der Pachtfläche war sehr einfach, obwohl es sonst in Brandenburg ziemlich kompliziert ist, an Flächen zu kommen. Bis jetzt gab es wirklich keine größeren Probleme.

    Was sind für dich die Vorteile & Nachteile der Selbstständigkeit?

    Nachteile: Ich habe wenig freie Zeit. Gerade jetzt immer Sommer, wenn es so heiß ist, muss ich täglich gucken, wie es meinen Pflanzen-Babys geht. Ich habe aber auch gar kein Bedürfnis frei zu machen, weil ich solche Lust auf meine Arbeit habe.

    Vorteile: Ich kann mir meine Zeit frei einteilen und bis auf einige Termine, die ich einhalten muss, arbeiten, wann ich möchte.

    Was würdest du beim nächsten Mal anders machen?

    Eigentlich nichts. Vielleicht würde ich eine bessere Anbauplanung machen, aber andererseits kommt es selbst bei guter Vorbereitung doch immer anders, als man denkt. Von daher ist eine strikte Planung auch nicht so wichtig, man reagiert einfach flexibel auf das, was kommt.

    Was empfiehlst du anderen Gründer*innen bzw. Jung-Unternehmer*innen?

    Ich versuche immer nur von „Beet für Beet“ zu schauen und kleine Schritte zu machen, sonst übermannt mich das, was ich alles zu tun habe.

    KONTAKT

    Caromatisch - ökologischer Gemüsebau

    Carolin Harras

    Paretzhofer Str. 48, 14669 Ketzin OT Paretz

    Mobil: 0157 74939903

    Web: www.caromatisch.de

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