Interviews & Blog

Hier findest du Interviews mit Gründer*innen, die ihre Erfahrungen mit dir teilen. Fachexperten berichten über spannende Gründungsthemen und liefern dir detailliertes Wissen für deine Selbstständigkeit.


„Für mich persönlich ist die Selbstbestimmung ohne Vorgesetzte*n das größte Geschenk der Gründung. Verglichen mit meiner Zeit als Angestellte, bin ich heute als Selbstständige glücklicher denn je."

Vor drei Jahren hat sich Maria Spieß mit ihrem Kosmetikstudio "Dein Moment" gegründet. Im Interview teilt sie mit uns ihre Erfahrungen und möchte anderen jungen Gründer*innen Mut zur Selbstverwirklichung machen.

Hey Maria, du hattest vor drei Jahren gegründet, wie fing damals alles an?

Ich war damals sechs Jahre in der Pharmazie-Branche tätig und habe dort viele Erfahrungen gesammelt. Mir hat in dieser Zeit etwas gefehlt und ich war ständig auf der Suche nach dem richtigen Weg, einer Tätigkeit die mich erfüllt. Schlussendlich entschied ich mich für einen Neustart und für eine Umschulung zur diplomierten Kosmetikerin. Nach meiner Ausbildung ging es für mich direkt in die Selbstständigkeit, mit der Eröffnung meines eigenen Kosmetikstudios „Dein Moment“.

Kannst du dich noch an den Moment erinnern, wo es hieß „ja, ich will mich selbstständig“ machen?

Ja, das war in der Berufsschule. Eine meiner Dozentinnen hatte mir während der Kosmetikausbildung so viel Mut gemacht und uns sogar darauf hintrainiert, dass wir den Schritt in die Selbstständigkeit wagen sollen. Mir hat das so viel Lust gemacht, dass für mich der Weg hin zur Unternehmerin schnell feststand.

Was hast du nach deinem Beschluss gemacht?

Ich brauchte auf alle Fälle jemanden, der mich an die Hand nimmt, vor allem was Themen wie das Schreiben des Businessplans, rechtliche Grundlagen und steuerliches Wissen betrifft. Meine Internetrecherchen hatten mich dann zu Enterprise geführt.

Hattest du Bedenken / Ängste?

Ich kann mich noch erinnern, wie mich Freunde gefragt haben, ob ich sicher bin, dass ich mich ohne praktische Berufserfahrung sofort selbstständig machen will. Ich fühlte mich aber nach der Ausbildung sehr sicher in meinem Handwerk und hatte einfach Lust mich selbst zu verwirklichen und vor allem meine eigene Chefin zu sein.

Kam für dich in der Gründungphase etwas Unerwartetes um die Ecke?

Das waren zunächst die ganzen Behördengänge. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich so viel beachten muss. Ich kann mich noch an meinen Buchhaltungsworkshop bei Enterprise erinnern, ich mir dachte „wie soll ich das noch alles neben meiner eigentlichen Arbeit managen“. Mir hat es wirklich sehr geholfen, dass ich mich auch nach der Gründung an meinen Berater wenden konnte. Das gab mir für den Start große Sicherheit.

Hast du dich in deiner neuen Rolle als Unternehmerin verändern müssen?

Ja. Ich hatte immer Angst davor wie mein Umfeld mit der Veränderung umgeht. Ich war damals mit 22 sehr jung als ich mich selbstständig gemacht habe und konnte all die Dinge die man in dem Alter macht wie feiern gehen, mehrfach die Woche mit Freunden treffen, erstmal nicht mehr nachgehen. Das ist während der Gründungszeit und in den ersten Monaten der Selbstständigkeit ausgefallen. Meine Freunde hatten das damals glücklicherweise gut aufgenommen und haben mich trotzdem weiterhin unterstützt. Für mich war es eine positive Veränderung. Ich fühlte mich nach dem Gründungsprozess stärker und habe viele Ängste in sämtlichen Lebenslagen verloren. Die Gründung hat sich bei mir auf viele andere Lebenslagen positiv ausgewirkt.

Gab es etwas, was sich dir in den Weg gestellt hat?

Ich habe im ländlichen Raum gegründet und gerade zu Beginn meiner Selbstständigkeit wurden mir durch Neider auch Steine in den Weg gelegt. Das war für mich auch eine neue Erfahrung. Krankheitsbedingte Ausfälle, gerade am Anfang, wo ich noch keine finanziellen Rücklagen gebildet hatte, waren erstmal ein Schock, wenn z.B. die Zahlung der Krankenkasse oder der Versicherungen anstand. Ich habe mich immer an dem Satz festgehalten „so viele andere haben das vorher auch schon geschafft.“ Und somit habe ich die drei Jahre auch gut überstanden.

Gerade am Anfang ist es ohne finanzielle Rücklagen schwierig die Selbstständigkeit zu überstehen. Hattest du zu dieser Zeit Familie oder Freunde, die dich finanziell unterstützt hatten?

Ja, meine Eltern haben mich gerade am Anfang stark unterstützt. Ich musste nie die Angst vor einem leeren Kühlschrank haben. Die monatlichen Sozialabgaben wie die Krankenkasse sind sehr hoch und wenn es finanziell wirklich eng geworden wäre, dann hätten sie mir unter die Arme gegriffen. Also hungern musste ich nicht (lacht).

Was bietest du genau in deinem Kosmetikstudio an?

Ich habe ein klassisches Kosmetikstudio mit dem Zusatzangebot der Fußpflege nach medizinischer Art. Im Laufe der drei Jahre habe ich immer wieder geschaut, was ich zusätzlich anbieten kann. So habe ich mein Angebot im Bereich Massagen ausgebaut und biete klassische, Kräuter- und hot stone Massagen an. Außerdem habe ich noch ein Fernstudium zur Zahnkosmetikerin in München absolviert. Darunter fallen Anwendungen wie die natürliche Zahnaufhellung ohne künstliche Zusätze wie Wasserstoffperoxid.

Und welches Angebot verkauft sich am besten?

Die kosmetischen Anwendungen laufen am besten. In diesem Jahr hatte ich eine Weiterbildung zu einer neuen anti aging Methode, die sich „microneedling“ nennt, absolviert. Das ist aktuell der Bestseller bei mir im Studio. Das ist eine Methode des natürlichen Liftings, bei der die Falte von innen heraus aufgepolstert wird. Das Verfahren funktioniert ganz ohne Unterspritzung und regt die Produktion des körpereigenen Kollagens an.

Würdest du aktuell anderen jungen Menschen, die in deiner Branche arbeiten, empfehlen sich selbstständig zu machen?

Ich würde es wirklich jedem und jeder aus meiner Branche empfehlen. Gerade den Gründer*innen! Natürlich sollte man am Anfang darauf achten die Kosten möglichst gering zu halten und sich finanziell nicht zu übernehmen. Ich finde es wichtig, die eigene Familie und Freunde in die Thematik einzubeziehen und sie auf sein Vorhaben vorzubereiten. Ihnen einfach zu zeigen, dass man er ernst meint und sich in dieser, oftmals kräftezerrenden, Zeit Unterstützung wünscht. Für mich persönlich ist die Selbstbestimmung ohne Vorgesetzte*n das größte Geschenk der Gründung. Verglichen mit meiner Zeit als Angestellte, bin ich heute als Selbstständige glücklicher denn je.

Betreibst du deinen Salon heute immer noch komplett allein oder bist du auf der Suche nach Unterstützung?

Ich suche momentan starke Unterstützung. Ich war bis jetzt immer allein, aber momentan bin ich auf der Suche nach einer / einem kompetenten Kosmetiker*in, ob bei mir angestellt oder auch selbstständig. Willensstärke, Ehrgeiz und Herzlichkeit stehen für mich bei der Suche an erster Stelle. An fehlenden fachlichen Kompetenzen können wir gemeinsam arbeiten.

Gab es eine Phase innerhalb der drei Jahre, wo du an der Selbstständigkeit gezweifelt hast?

Ja, nach zwei Jahre gab es eine Phase in der es mir privat nicht so gut ging, was sich direkt auf das Geschäft ausgewirkt hat. Ich hatte damals einfach nicht die Power und den Kopf frei, um mich auf meinen Beruf und das Unternehmen zu fokuszieren. Damals hatte ich kurz gezweifelt weiter zu machen. Mich macht die Arbeit als Selbstständige aber so glücklich, dass ich einfach nicht aufgeben wollte. Jeder Tag an dem ich bei mir im Laden stehe erfüllt mich so sehr, dass ich gar nicht mehr ohne kann. Ich wüsste gar nicht, was ich sonst beruflich machen sollte, wenn es mein Unternehmen nicht mehr geben würde. Die Selbstständigkeit erfüllt mich so, dass sie sich wiederum positiv auf mein Privatleben auswirkt.

Maria, wo kann man dich finden und mehr über dich erfahren?

Online kann man mich über www.kosmetikstudio-mariaspiess.de finden. Das Studio selbst befindet sich in Klein Kreutz, in der Nähe von Brandenburg an der Havel.

Maria, vielen Dank für deine ehrlichen Worte, wir wünschen dir weiterhin alles Gute für deine Selbstständigkeit!

 

Das Interview führte Julia-Toni Reiche von Enterprise - Deine Gründungswerkstatt (reiche@socialimpact.eu).