Interviews & Blog

Herzlich willkommen! Hier findest du Interviews mit Gründer*innen und Fachexperten. Unsere Berater*innen teilen ihre Erfahrungen und liefern dir detailliertes Wissen für deine Selbstständigkeit.


„Ich habe einfach akzeptieren müssen, dass so ein Geschäft eine „never-ending-Story“ ist.“

Am 15. Dezemeber eröffnet "fairverpackt" - der zweite Unverpacktladen in Potsdam. Wir haben unsere Gründerin Käthe Skurcz zur Ladeneröffnung in Babelsberg interviewt.

Erstmal herzlichen Glückwunsch zur Eröffnung eures fairverpackt-Ladens! Ihr habt angenehme Loungemusik mit gutem Kaffee und unverpackten Lebensmitteln kombiniert. Das klingt nach einer Vision?

Ja, wir haben von Anfang an festgestellt, dass wir beide qualitativ gut essen, umweltpolitisch aktiv sind und einen ästhetischen Anspruch haben. Diese drei Aspekte wollten wir zusammenbringen und außerdem unsere Kreativität in der Ladengestaltung ausleben. Wir möchten, dass unsere Kunden in einer angenehmen Atmosphäre qualitativ ansprechende Lebensmittel konsumieren können – zu einem guten Preis-Leistungsverhältnis.

Wie kam es, dass ihr beide den Laden eröffnet habt? Ward ihr zuvor schon befreundet und habt diese Vision zufällig geteilt?

Wir sind schon eine Weile befreundet und haben uns auch häufig über Unverpackt-Läden und das Konzept „Plastikfrei“ unterhalten, dies jedoch mehr im Zusammenhang mit einer eigenen, selbstständigen Arbeit und unabhängig voneinander. Irgendwann kam die Idee von einem eigenen Café auf, doch das Plastik-Thema spielte für uns weiterhin eine wichtige Rolle. Nach einigen Gesprächen war es dann klar: Wir eröffnen gemeinsam einen eigenen verpackungsfreien Laden mit Café. Zukünftig soll es auch noch Workshops geben. Wir möchten einen Ort schaffen, an dem sich die Menschen austauschen und Input zu verschiedenen ökologischen Themen erhalten können.

Und heute ist schon der Tag der Eröffnung! Was macht das mit dir?

Ich bin unglaublich aufgeregt, wir haben kaum geschlafen und nur gearbeitet, was sicher normal ist. Ich habe vor ein paar Stunden einfach akzeptieren müssen, dass so ein Geschäft eine „never-ending-Story“ ist. Wir sind hier und bauen sukzessiv unser Geschäft auf und das ist großartig! Ich bin über jede einzelne Hilfe glücklich und gerührt.  

Ich finde das ziemlich cool zu sagen, ich eröffne jetzt, auch wenn es nicht perfekt ist!

Ja, einfach machen. Wir haben uns immer gefragt, was wir eigentlich rocken können? Wenn wir zu einer Sache wirklich ja sagen, wie weit würden wir wirklich gehen? Es gab aber auch genug Momente, an denen wir dachten, dass wir es nicht packen. Doch es ist ein ziemlicher großer Vorteil, wenn man zu zweit ist. Ich weiß nicht, ob ich diese Wucht allein getragen hätte.

Wo siehst du weitere Vorteile einer Co-Gründung?

Ja, es gibt einen Austausch, insbesondere einen ästhetischen Austausch. Viele Stärken können wir kombinieren, Schwächen werden durch den anderen aufgefangen, das ist richtig gut.

Was waren die größten Herausforderungen auf eurem Weg hierher?

Der lange Weg bis zur Eröffnung und den langen Atem, den man dafür braucht. Wir müssten erst lernen, mit den bürokratischen Hürden umzugehen und nicht gleich in Panik zu geraten. Das empfand ich mental sehr anstrengend. Es gab sehr viele Leute, die uns unterstützt haben. Insgesamt war das ein enormer Zeit- und Koordinationsstress, bei dem es wichtig war, die Vision im Blick zu behalten – und nebenbei noch alles zu genießen ;-)

Vielen Dank für das Interview Käthe. Ich wünsch euch noch eine großartige Eröffnung und eine erfolgreiche Zeit!

Danke!

 

 

 

Das Interview führte Linda von Enterprise am 15.12.2018