Interviews & Blog

Hier beschreiben unsere Gründer*innen spannende Aspekte ihrer Gründungsphase, was sie Intensives erlebt oder was sie gelernt haben. Interviews mit Fachexperten und Blogartikel liefern dir detailliertes Wissen für deine Gründung.


  • „Ich hatte gedacht, dass ich es allein schaffe. Mit so viel Arbeit habe ich zu Beginn der Ladeneröffnung nicht gerechnet.“

    Carolin Schönborn über Freiheiten, Aufgaben und Erfahrungen der Selbstständigkeit mit ihrem Unverpackt Laden „maßvoll“ in Potsdam.

    Carolin du hast im Mai den ersten Unverpackt Laden in Potsdam gegründet namens „maßvoll“…

    Na gegründet habe ich bereits im März und dann am 9.Juni eröffnet. Entgegen der Planung. Eigentlich wollte ich am 25. Mai eröffnen, aber dann kam doch alles anders. Die Umbauten haben länger gedauert. Es gab ein paar Probleme mit der Beleuchtung im Laden, deswegen hat sich alles etwas nach hinten verzögert.

    Wie erging es dir in den ersten Monaten deiner Selbstständigkeit? Was sind Dinge, die richtig gut funktioniert haben?

    Also der erste Monat war heftig, da stand ich komplett allein im Laden. Mittlerweile habe ich Unterstützung von einem Freund bekommen, was wirklich eine große Entlastung ist. Der Kundenansturm wird immer besser, womit ich sehr zufrieden bin. Der Kontakt mit den Kunden, die Arbeit an sich und alle Aufgaben, die die Selbstständigkeit betreffen inklusive der Büroarbeit machen Spaß – wenn es insgesamt einfach nicht zu viel ist. Leider war es das im ersten Monat.

    Das heißt zu machst die gesamte Organisation rund um den Laden wie zum Beispiel die Buchhaltung weiterhin allein?

    Ich habe durch Zufall einen Steuerberater kennengelernt, der mir viele Aufgaben abnimmt und ich dadurch vom Arbeitsaufwand ein bisschen freier geworden bin.

    Wenn du einen ganz normalen Arbeitstag bei maßvoll beschreiben würdest: wie sieht dieser aus?

    Es ist erstmal sehr schön, dass ich zeitlich flexibel starten kann. Ich überlege mir, ob ich halb oder um elf Uhr mit der Arbeit im Laden beginne. Zunächst schaue ich dann, ob alles in Ordnung ist. Ich befülle beispielsweise die Gefäße oder gehe an die Kasse. Zu wissen, dass ich keinen Chef oder Chefin im Nacken habe, die mir auf die Finger schauen, ist ein sehr schönes Gefühl. Das würde mir sehr viel Kraft ziehen, wenn ich gleichzeitig darauf achten müsste, es jemandem recht zu machen. So muss ich es nur mir selbst recht machen. Das ist viel effektiver für mich.

    Wie kannst du die flexiblen Arbeitszeiten für dich realisieren?

    Ich spreche mich mit meinem Kollegen hab, wer wann beginnt und wer abschließt. Momentan haben wir fünf Tage die Woche geöffnet – dienstags ist aktuell unser Ruhetag und dafür haben wir samstags etwas länger auf.

    Was sagt dein Stresslevel nach zwei Monaten Selbstständigkeit, selbst mit der Unterstützung?

    Es könnte weniger sein, aber ich gewöhn mich langsam daran. Verglichen mit meinen Anfängen, laufen manche Prozesse wie zum Beispiel die Bestellungen bereits viel schneller ab. Bestimmte Vorgänge wie eine Retoure, muss man auch einfach mal durchleben, damit man feststellt wie es beim nächsten Mal schneller gehen kann.

    Apropos Bestellungen: Wo beziehst du denn deine Lieferanten her?

    Ich recherchiere die meisten Lieferanten im Internet und kontaktiere sie. Anschließend werde ich dann als Händlerin, als sogenannte Wiederverkäuferin, aufgenommen und kann dann per E-Mail, in Onlineportalen oder beim Großhändler bestellen. Es gibt wirklich bei jedem Lieferanten unterschiedliche Bedingungen und Konditionen. Mittlerweile habe ich über 40 verschiedene Lieferanten und weiß nun wie es bei den einzelnen Bestellungen abläuft. Die erste Bestellung war aber schlimm. Ich hatte alles zusammen und dachte nur, dass ich nie wieder Nachbestellen möchte. Das Einlesen, wie die Bestellungen bei den Lieferanten jeweils ablaufen, kostete mich am Anfang viel Zeit. Aber jetzt läuft´s glücklicherweise.

    Wenn du sagst du recherchierst die Lieferanten – gibt es eine Seite, die eine Gesamtübersicht bietet, wo man sich orientieren kann?

    Eine Seite mit einer Gesamtübersicht an Lieferanten nutze ich als solches nicht. Oft kommen Kunden zu mir in den Laden und sprechen mich auf bestimmte Produkte an, die sie woanders schon mal gesehen haben oder die sie sich bei mir wünschen würden. Dann schau ich anschließend im Internet nach, ob ich diese finde und bestellen kann. Es ist trotzdem ein langwieriger Prozess. Wenn mich die Kunden heute nach einem Produkt fragen würden, dann dauert es schon ein paar Wochen, bis ich es im Laden anbieten kann.

    Welches Produkt läuft denn momentan am besten bei maßvoll?

    Müslis und Crunchies werden oft und gern gekauft, Nudeln muss ich jede Woche nachbestellen und die Milchprodukte kommen gut an. Witziger weise auch die Zahnbürsten und Seifenkissen, was ich vorher nicht erwartet hätte.

    Gibt es ein Produkt, was du unbedingt noch gern im Laden hättest?

    Ja, ich würde gern noch abwaschbare Teebeutel und Rasierklingen anbieten.

    Sind das besondere Rasierklingen?

    Das sind richtige Rasierhobel, wo man noch selbst mit Pinsel und Schaum rasiert.

    Gibt es etwas, was du während deiner Gründungphase gar nicht erwartet hast, was aber jetzt eingetroffen ist?

    Ich habe ehrlich gesagt versucht mir vorher nicht zu viele Gedanken zu machen, weil ich das Gefühl hatte, dass mich das von meinem Vorhaben abbringt. Für die Gründung des Unverpackt Ladens war so viel Mut und Risikofreude notwendig, dass ich versucht habe, eventuelle Szenarien aus meinen Gedanken zu streichen. Ich kann also gerade nicht sagen, dass ich es mir anders vorstellt habe als es jetzt ist, weil ich versucht habe auf diese Gedanken bewusst zu verzichten.

    Wenn du jetzt nach zwei Monaten der Selbstständigkeit ein Resümee ziehst, was würdest du sagen?

    Ich hatte gedacht, dass ich es allein schaffe. Mit so viel Arbeit habe ich zu Beginn der Ladeneröffnung nicht gerechnet. Ich habe einfach gemerkt, dass ich neben der Arbeit im Laden zu nichts anderem mehr komme. Der Laden fühlte sich in der Zeit, wo ich noch allein war, zweitweise wie ein Käfig an: man kommt nicht raus, man kann keine Erledigungen machen, man kann niemanden anrufen – irgendwie ist man doch gefangen, obwohl man frei und selbstständig ist. Die Gründung, das heißt die Planung und Umsetzung hat mir großen Spaß gemacht, aber die tägliche Ortsgebundenheit macht mir zu schaffen. Gerade weiß ich noch nicht, ob ich für immer jeden Tag im Laden stehen möchte.

    Wenn du dir alle Aufgabenbereiche rund um deinen Unverpackt Laden anschaust, gibt es einen Bereich der dich besonders erfüllt?

    Ich sehe mich stark in der Organisation des Ladens, darin Dinge in die Wege zu leiten. Das macht mir große Freude. Der Kontakt mit den Kunden ist aber auch sehr bereichernd für mich. Die Menschen bringen Geschichten mit den Laden und tragen quasi die Welt zu einem. Das ist wirklich schön. Manche Kunden kommen wirklich regelmäßig zu mir und man lernt sich dadurch natürlich auch gut kennen. Ich merke, dass ich Potsdam dadurch nochmal ganz anders kennenlerne.

    Vielen Dank Carolin für den kleinen Einblick in den Alltag bei "maßvoll"!

     

    Mehr Infos zu maßvoll findet ihr auf Facebook unter: https://de-de.facebook.com/pages/category/Shopping---Retail/Ma%C3%9FVoll-einkaufen-unverpackt-1060164730789948/

    Das Interview führte Julia-Toni Reiche (Gründungswerkstatt Enterprise, reiche@socialimpact.eu)

     

     

     

     

     

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