Interviews & Blog

Hier beschreiben unsere Gründer*innen spannende Aspekte ihrer Gründungsphase, was sie Intensives erlebt oder was sie gelernt haben. Interviews mit Fachexperten und Blogartikel liefern dir detailliertes Wissen für deine Gründung.


  • „Von der Idee loszulassen fiel mir sehr schwer, da ich immer wieder Menschen kennengelernt habe, die das Projekt spannend fanden.“

    Moritz Modell über verschiedene Gründungsideen, den Mut sich auszuprobieren und herauszufinden, was einem wirklich gut tut.

    Wie heißt du und was hast du gegründet?

    Ich heiße Moritz Modell, bin 28 Jahre alt und meine Gründungidee war ursprünglich eine ganz andere als das, was ich jetzt mache. Anfangs hatte ich vor ein „Smoothie-Fahrrad“ zu entwickeln -  quasi ein Lastenfahrrad wo der Smoothie selbst getreten wird. Das Konzept dazu hatte ich bereits komplett zusammen mit meiner Freundin ausgearbeitet. Das fertige Corporate Design stand auch schon. Während der Vorgründungsphase habe ich in den ersten Beratungen festgestellt, dass die Gründungsidee nicht zu meiner Persönlichkeit passt. Ich bin eher chaotisch und für die Umsetzung des Smoothie-Fahrrads braucht man eine Menge Struktur. Ich habe herausgefunden, dass für mich eine intuitive Arbeit passender ist.

    Was hast du vor deiner Gründungidee gemacht?

    Vor meiner Selbstständigkeit war ich Mediengestalter, und zuletzt im Webdesign tätig und fand das auf Dauer ziemlich langweilig. Zwischenzeitlich hatte ich in einem Laden gearbeitet, der ergonomische Produkte verkauft und dort den Onlineshop umgesetzt. In dieser Zeit habe ich festgestellt, dass meine Lieblingskunden Eltern mit ihren Kindern sind. Diese Feststellung war sehr hilfreich für mich, weil ich nun wusste für und mit wem ich arbeiten möchte – nämlich lieber mit Kindern als mit Erwachsenen.

    Wie hast du herausgefunden, dass du lieber mit Kindern arbeiten möchtest?

    Das fing beim Skateboard fahren an. Ich hatte eine Zeit lang Kindern das Skateboard fahren beigebracht und hab da schon gemerkt, dass ich lieber Zeit mit den Kindern verbringe als mit den Erwachsenen. Ich habe das Gefühl, dass ich mit meinen erwachsenen Kunden oft diskutiere und die Dinge häufig nicht ins Rollen kommen. Kinder probieren es einfach aus und haben Spaß dabei. Das finde ich super und inspirierend.

    Was machst du jetzt gerade?

    Ich habe festgestellt, dass der Bereich Web-und Grafikdesign immer noch eine sichere Geldquelle für mich ist. Momentan biete ich Web- und Grafikdesign aber ausschließlich für Menschen an, die ich gern unterstützen möchte. Darauf habe ich es jetzt reduziert. Ich finde es zum Beispiel spannend andere Gründende zu unterstützen, aber ich arbeite momentan nicht für etablierte Firmen.

    Viele Zufälle haben dazu geführt, dass ich jetzt in der Medienpädagogik tätig bin. Zunächst habe ich bei anderen Kursen in Schulen hospitiert und dann eine Weiterbildung als Medienpädagoge begonnen, damit mich die Schulen auch engagieren können.

    Ich erforsche mit Kindern in meinen Workshops spielerisch die neuen Medien. Dabei gibt es bei mir kein richtig oder falsch. Die Kinder sollen sich ausprobieren können. Fachlich heißt das Medienkompetenz vermitteln.

    Die Workshops sind in einen Theorie- und Praxisteil gegliedert. Im Theorieteil lernen die Kinder unteranderem, wie früher medial kommuniziert wurde, und wie sich die Kommunikation jetzt verändert. Ich versuche mit ihnen zu erforschen, was es mit uns macht, wenn wir immer mehr Zeit vor dem Smartphone verbringen. Im Praxisteil können die Kinder zum Beispiel Methoden wie Stopmotion und Animation ausprobieren. Innovative Methoden, bei denen es mir nicht nur um die Vermittlung von Wissen geht, sondern um die praktische Umsetzung eines Themas.

    Ein großes Projekt von mir ist momentan die Stadterkundung mit Kindern.  Das mache ich im Wechselspiel digital und analog.  Wir sammeln zum Beispiel Wortfetzen in der Umgebung und schreiben entwickeln daraus einen Rap. Digital geht es mir um die kreative Nutzung des Smartphones – eine neue Nutzungsform quasi.

    Wer ist in dem Fall dein Auftraggeber?

    Die Projekte werden nicht durch die Schulen, sondern über die Stadt gefördert. Im konkreten durch die Medienkompetenzzentren der Stadt. Von denen werde ich engagiert und direkt bezahlt.

    Gibt es noch andere Orte als Schulen, wo du dein Projekt gern umzusetzen möchtest?

    Ja, neben Schulen eignen sind auch Museen und Jugendclubs für mein Angebot. Ich werde zunächst im Raum Berlin / Potsdam starten. Eins meiner größeren Ziele ist es jedoch ein Projekt auch international zu realisieren. Ich habe eine besondere Verbindung zu Afrika und sehne mich danach, dort auch mal beruflich tätig zu sein. Das wäre für mich wahrscheinlich eine tolle Erweiterung meiner Sichtweisen und eine gute Möglichkeit gemeinsam mit den Menschen dort zu wachsen.

    Wenn wir nochmal zurück auf deine erste Gründungsidee des Smoothie-Fahrrads schauen: Wie war es für dich festzustellen, dass du diese Idee nicht realisieren wirst?

    Von der Idee loszulassen fiel mir sehr schwer, da ich immer wieder Menschen kennengelernt habe, die mich unterstützt hätten. Ich hab immer daran geglaubt und auch festgehalten. Dem stand entgegen, dass sich bei den Kontakten nie wirklich etwas Konkretes ergeben hat. Es gab viele Zwischenwege, die nicht funktioniert und mich auch frustriert haben. Ich habe in dieser Zeit festgestellt, dass es mir wichtig ist in einen Rahmen eingebunden zu sein und nicht komplett frei zu arbeiten. Im Gegensatz zum Smoothie-Fahrrad fliegen mir die Dinge bei meinen Workshops eher zu. Es fühlt sich für mich einfach besser an und ich habe das Gefühl den Menschen mit Kreativität etwas Mitgeben zu können. Im besten Fall erreiche ich in meinen Workshops Menschen, bei denen ich Denkanstöße anrege. Dieser Prozess ist für mich viel nachhaltiger als ein Smoothie, den man sich zwischendurch kurz hinunterkippt.

    Gab es jemanden, der dir bei diesem Entscheidungsprozess geholfen hat?

    Meine Freundin hat die ganze Zeit schon gesagt, dass sie mich nicht in der Position des Smoothie-Fahrrad-Gründers sieht. Sie war teilweise ganz schön genervt von meinen tausend verschiedenen Gründungsideen und war froh, als ich mich endlich für einen Weg entschieden hatte.

    Du bist jetzt ein halbes Jahr selbstständig, wie geht’s dir damit?

    Sehr gut. Es hat sich mittlerweile alles gut gefügt. Ich wusste schon relativ lang, dass ich mich selbstständig machen will und hatte einen Pool an verschiedenen Geschäftsideen. In die Freiberuflichkeit bin ich aber nicht von heute auf morgen gegangen, sondern hab sie Stück für Stück aufgebaut. Eine Zeit lang habe ich drei Tage die Woche angestellt gearbeitet und nebenbei eigene Projekte realisiert. Dann gab es acht Monate, quasi eine Schwebezeit, wo ich immer mal wieder freie Aufträge hatte und dann wieder Arbeitslosengeld bekommen habe. Das hat sich dann immer abgewechselt: Projekt – Arbeitslosengeld – Projekt.

    Was waren deine Erfahrungen aus dieser Zeit?

    Ich habe viel zu lange allein geplant und hätte mir früher Unterstützung suchen sollen. Meine Ideen haben mich sehr beschäftigt, teilweise sogar aufgefressen. Ich hatte an manchen Tagen sogar Kopfschmerzen vom ganzen Durchdenken meiner Konzepte. Bei mir hatte sich dann auch die Frage ergeben: Mit wem rede ich darüber? Ein Berufsberater fühlte sich als Ansprechpartner irgendwie falsch an. Ich konnte mir einfach vielen vorstellen und wusste einfach nicht, was ich wollte.

    Wie hast du von Enterprise als Beratungsstelle erfahren?

    Durch Zufall hatte ich einen anderen Gründer am Bahnhof in Potsdam kennengelernt, der Enterprise empfohlen hatte und bald darauf mein erstes Beratungsgespräch.

    Und hatte es dann während der Beratungen klick gemacht?

    Ich habe auf alle Fälle den Anschub bekommen, dass Gründung des Smoothie Fahrrads nicht passend für mich ist. Die Beratungen bei Enterprise waren für mich einfach gut für meinen Klärungsprozess, was ich wirklich machen möchte.

    Ich war außerdem sehr von den Workshops mit den anderen jungen Gründer*innen angetan. Der Austausch und das Vernetzen hat mich zum einen inhaltich weitergebracht und zum anderen war es ein guter Start, um in Potsdam anzukommen. Mir half es sehr anderen von meiner Idee zu erzählen. So habe ich selbst Klarheit und Struktur für meine Gedanken und Ziele bekommen. Auch nach Gründung hatte ich immer das Gefühl, dass ich bei Enterprise vorbeikommen konnte, wenn ich eine Frage hatte oder mich einfach mal wieder austauschen wollte.

    Wenn man das Interview gerade liest und sich denkt „spannend was Moritz macht“, wo kann man dich dann finden?

    Für den Bereich Web-und Graphikdesign kann man mich unter: www.moritz-modell.de und für die Workshop unter: www.workshops.moritz-modell.de finden. Per Mail kann man mir über info(at)moritz-modell.de schreiben.

    Was möchtest du anderen Gründer*innen mit auf den Weg geben?

    Ich finde Mut ganz wichtig. Ich glaube, dass ich das Wort jetzt erst richtig verstanden habe. Mut heißt für mich ausprobieren. Die Frage nach, was kann es sein, was ich wirklich machen will und auch mal zu sagen zu dürfen, dass ich etwas nicht akzeptiere. Einfach zu sich selbst zu stehen und aus den Grundlagen zu schöpfen, die man mitbringt.

    Vielen Dank für das Interview Moritz!

     

    Das Gespräch führte Julia-Toni Reiche (Enterprise-Deine Gründungswerkstatt, reiche(at)socialimpact.eu).

     

     

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